12. Bericht vom 24.03.2015 – 31.03.2015

 

Km 21600 – 25000 Fahrzeit 368 – 412h

 

Angola + Namibia

 

17Dieser Berg ist eindeutig Angolanisch

Nach der guten Verständigung auf der bisherigen Tour gibt es auf angolischer Seite ein kleines Kommunikationsproblem. Ich spreche kein Portugiesisch und die meisten Menschen hier kein Englisch oder Französisch. Aber wir sind ja in Afrika, hier wird sich halt mit Händen und Füßen unterhalten. Ein Lächeln beim Helmabziehen heißt schon mal der Biker ist nett. Ein fester Händedruck mit einem Hi auf den Lippen versteht auch jeder. Hat man die Sympathie erstmal auf seiner Seite kann nichts mehr schief gehen. Schon an der Grenze läuft hier alles sehr korrekt und freundlich ab. Eine kleine Polizeikontrolle nach 20Km, danach werde ich immer nur nett gegrüßt und an den Checkpoints durchgewunken. Top Straßen haben sie hier in Angola. In Mbanza-Kongo finde ich gegenüber des einzigen, völlig überteuerten Hotels, eine katholische Mission.

30aDer Himmel wird erst schoen durch ein paar Wolken

Ein Dach über dem Kopf ist bei dem anhaltenden Regen nicht verkehrt. Auch ein Eimer Wasser kann nach 3 Tagen mal wieder nichts schaden. Die kleinen Messdiener der Mission heißen mich gleich herzlich in ihrer Mitte willkommen, stellen mich einem ihrer Priester vor und bieten mir eines ihrer Betten an. Trotz der schwierigen Kommunikation verstehen wir uns gut. Der Jüngste besteht darauf, dass ich in seinem Bett schlafe, während er sich mit einer Matratze auf dem Boden begnügt. Leider bleibt am nächsten Morgen keine Zeit sich erkenntlich zu zeigen oder zumindest den Gottesdienst zu besuchen.

Noch 4 Tage bleiben mir, bis das Visum abgelaufen ist. 2000Km liegen noch vor den Reifen. Mit der erwachenden Sonne erwacht auch der Motor. Wie üblich wird mit den entspannten, materialschonenden 80Kmh Richtung N’Zeto gecruist. Nur nicht aus der Ruhe bringen lassen. Ein technischer Defekt oder ein Unfall würden zwangsläufig ein Überziehen des Visums bedeuten. Von nun an geht es an der Küste entlang. Die Fahrt durch Luanda ist interessant. Sie ist Hauptstadt und zugleich eine der teuersten Städte der Welt. Hier gönnt man sich z.B. mal ein paar künstliche Inseln vollgepackt mit Luxuswohnanlagen. Hochhäuser und Malls prägen das Bild der Innenstadt und passen so gar nicht zum Rest des Landes. Verglichen mit dem Kongo macht Angola keinen ärmlichen Eindruck. Das kommt durch die sauberen Dörfer und die ordentlichen, relativ großen Lehmhütten. Luanda jedoch liegt auf einem ganz anderen Niveau.

05Schutz vor dem Wolkenbruch

29Wildcampen bei Lobito, Angola

26Da hat wohl einer im Helm uebernachtet27Es gibt angenehmere Mitfahrer

18Fit fuer den Regen mit der umgewickelten Zeltplane

 

 

 

 

 

 

 

 

Es geht weiter an der Küste entlang. Die Regenschauer werden häufiger und die Fahrweise noch etwas vorsichtiger, wegen dem längst abgefahrenen Vorderreifen. Dafür bleibt mehr Zeit die schöne Küste mit ihrer leicht kurvigen Straße durch die sandigen Hügel zu genießen. Wird der Regen heftiger, wickelt man sich halt das Zelt als Regenschutz um und hält drauf bis man die Wolken abgehangen hat. Mit dem Schwenk von Lobito aus in die Berge verändert sich die Landschaft. Die Täler werden tiefer und sind in der Dämmerung mit Nebel gefüllt. Heftiger Wind begleitet mich in den höheren Regionen. Alle 500Km muss die Kette mittlerweile gespannt werden. Ritzel SaegezahnformDas Ritzel nimmt Sägezahnform an. Katholische Missionen gibt es hier leider nicht mehr. So säuselt mich das konstante Prasseln des Regens auf der Zeltplane täglich in den Schlaf. Der abendlichen Gemütlichkeit und Wärme im Schlafsack steht die allmorgendliche Qual, in die kalten, nassen Klamotten steigen zu müssen, entgegen.

Die Top Qualität der Straßen hier lässt mich dennoch zügig vorankommen. Alles andere wäre auch gerade nicht fahrbar. Durch das schonende Bremsen vorne habe ich den hinteren Bremsbelag in der letzten Zeit etwas überstrapaziert. Mittlerweile bremst die XT, wie ich heute Morgen bei der allwöchentlichen Sicht-Inspektion feststellen musste, auf den metallischen Grundplatten des Belags. Von nun an gilt: Wer bremst verliert!

 

24Sonnenaufgang in den Bergen Angolas

31Erinnerungen an 30 Jahre Buergerkrieg32Als Regenschutz dient der Panzer allemal

Von Lubango an werden die ursprünglich bewaldeten Bergflanken flacher. Es geht allmählich auf die Wüsten Namibias zu. Die Straße erinnert an die kerzengeraden Linien in der Sahara. Zur rechten und linken fallen immer mehr Spuren der alten Front mit den Südafrikanern und die Spuren von 30 Jahren Bürgerkrieg auf. Tiefe Krater, keine Abzweigungen oder Rinderherden neben der Hauptstraße deuten auf die teilweise noch bestehende Minenverseuchung hin. Alte Panzer rosten seit Jahrzehnten vor sich hin.

30Schoene Huegel bei Lubango, Angola

33Regenbogen ueber Xangongo, Angola

Am fünften Tag erreiche ich tatsächlich gegen Mittag die Grenze Namibias. Nach zwei Stunden sind auf beiden Seiten der Grenze alle Formalitäten erledigt. Namibia ist als ehemalige deutsche Kolonie für mich Visumsfrei. Die Ordnung und 100 prozentige Verkehrsbeschilderung kommt mir bekannt vor. Überraschend sind allerdings die Autos, die mir ständig hupend auf meiner Spur entgegenkommen. Als mir die hohe Anzahl der Rechtslenker auffällt, wird es immer klarer, dass man wohl die Fahrweise eher aus dem Englisch geprägten Südafrika übernommen hat: Linksverkehr. Da sich soeben mein letzter Tropfen Insulin verabschiedet hat und auch die XT dringend der Wartung bedarf, entscheide ich mich für den direkten Weg nach Lusaka, Sambia. Bei den Freunden meiner Eltern, Helmut und Felicitas Anschütz, wartet schon das Care Paket für Mensch und Maschine.

Bei den sicheren Straßen wird erstmal eine Nachtfahrt eingelegt um das Defizit durch die Grenzverzögerung auszugleichen. Bis nach Grootfontein führt die Route heute noch. Mit der untergehenden Sonne im Rücken und dem orangegefärbten, grenzenlos wirkenden Horizont vor mir, ergreift mich ein Hochgefühl. Der schwierige Teil der Tour ist vorbei. Mit der hiesigen Infrastruktur, den Supermärkten, Tankstellen, Krankenhäusern und einfachen Visabestimmungen kann nichts mehr schief gehen. Gute hygienische Bedingungen, Restaurants, Campingplätze…hoffentlich wird es nicht zu langweilig.

02Rastplatz in Namibia

Beim Schlafen im Busch ereilen mich entgegen der Gerüchte keine Begegnungen mit hungrigen Löwen oder wilden Elefanten. Obwohl nicht viel Zeit für Pausen ist, lerne ich in den zwei Tagen hier in Namibia viele nette Menschen kennen. Nach Windhoek und Swakopmund bin ich schon eingeladen. Meine Route wird mich unter diesen Umständen und bei den vielen schönen Pisten, die zu meiner Seite immer wieder in den Busch führen, wohl nochmal durch Namibia nach Südafrika führen. Die Straße über Rundu zur Grenze am Ende des Caprivi Zipfels verläuft zügig. Das Sambia Visum habe ich in zwei Minuten, den Rest in weiteren fünf erledigt. Die zu zahlende Straßennutzungsgebühr und die Pflichtversicherung werden gekonnt ignoriert. Eine kurze Fahrt über die Touristenstadt Livingstone und am nächsten Tag bin ich in Lusaka.

Vorne fahre ich fast auf dem Schlauch, das Metall vom Bremsbelag hat erste Riefen in die Scheibe gezogen und von dem Ritzel ist nicht mehr viel übrig. Der Polizist am Checkpoint vor Lusaka schaut sich meinen Pass an und fragt,, beim Blick auf meinen Angola Einreisestempel, ob ich geflogen sei. Er sieht auch den Namibia Stempel und scheint die Tage zu zählen: „It must have been a hell of a ride“ (Muss ein harter Ritt gewesen sein). Zumindest hat es die XT auf der letzten Rille zum Zwischenziel Lusaka geschafft. Ein paar Wartungsarbeiten und mal wieder gescheites Essen, dann kann es weiter gehen…nach Kapstadt.     

23Muesli aus der aufgeschnittenen Milchtuete. Geschirr wird voellig ueberbewertet