Clovis, Alexis, Abondala, Tomé.

 14Unser Team vom Bau

Josh und der ChefAngekommen in Limbe, Kamerun suche ich eine Möglichkeit meine Fitness wieder auf Vordermann zu bringen. Da das Hotel, in welchem wir uns einquartiert haben, gerade renoviert bzw. umgebaut wird, kommt mir die Idee auf dem Bau zu helfen. Der Chef ist einverstanden. So tue ich während des Sports noch etwas Konstruktives. Gearbeitet wird hier meistens im Team. Der Chef hat mich den jüngsten Mitarbeitern zugeordnet. Meine Kollegen arbeiten strukturiert, jeder hat seine Spezialität. Clovis ist der Denker, Chef der Truppe und für die komplizierten Angelegenheiten zuständig. Alexis und Abondala sind unsere beiden fürs Grobe. Wenn es körperlich ans Limit geht, sind sie vorne mit dabei. Tomé hat das beste Augenmaß und versteht 07Unterhaltungen sind nur moeglich wenn der Chef gerade nicht in der Naehe istwas vom Rechnen. Er bringt alles in Form und ins Lot. Gegen Mittag herrschen die hier üblichen 40 Grad bei hoher Luftfeuchtigkeit.Eine Pause für ca eine Stunde ist genehmigt. Wie die Jungs aus dem mageren Mahl aus viel Reis und ein paar Bohnen ihre Kraft ziehen, ist mir ein Rätsel. Ich brauche danach noch eine Mahlzeit im Restaurant des Hotels. Die Pfeiler sind gegossen. Nun geht es an das Fundament für eine Waschzelle. Erst ausheben, dann Zement mischen und gießen. Eine Baggerstunde lässt sich hier mit dem Lohn von 30 Arbeitern in derselben Zeit aufwiegen. Also ist wieder Handarbeit angesagt. Wir sind gegen 18 Uhr fertig mit der Arbeit, aber auch körperlich. Gerade rechtzeitig um mit dem Sonnenuntergang in den 01Meine erste MauerPool zu springen. Feste Arbeitszeiten gibt es hier nicht. Es wird nach Leistung bezahlt und bevor das Tagessoll nicht erreicht ist, geht keiner nach Hause. Wenn doch, muss der Rest des Teams für ihn mitarbeiten. Wer sein Soll nicht erfüllen kann ,ist nicht nur in finanziellen Schwierigkeiten, er ist auch schnell seinen Job los. Abends gehen wir mit den Mädels vom Restaurant in die Stadt und feiern meinen ersten Tag am Bau. Die nächsten vier Tage ähneln dem heutigen. Clovis ist begeistert von meinen Kentnissen und meiner deutschen Genauigkeit. Ich bin auch sehr interessiert an seiner Art die Dinge hier anzugehen. Wir bringen uns gegenseitig vieles bei. Ich lerne Fundamente zu gießen,zu mauern und zu verputzen. Clovis kann 08 3 Kubikmeter Beton an einem Vormittag. Handgemischt. Bei 40 Gradnun ein Lot bauen, seine Schaufel selber schweissen, falls sie mal wieder kaputt geht, und weiß allerhand über gelenkschonendes Arbeiten und ausgewogene Ernährung, damit er immer fit bleibt. Jeden Tag habe ich das Gefühl, die Stimmung hier mit meiner bloßen Anwesenheit heben zu können. Ein Weißer, der einfach mit ihnen arbeitet und sich nicht überheblich aufführt, sie als Freunde und nicht bloß als Arbeiter betrachtet, scheint hier leider etwas besonderes zu sein. Am 5. Tag muss ich mich schon gegen Nachmittag zurückziehen. Jeder Muskel rebelliert gegen die Belastung. Das Tagebuch braucht auch mal wieder ein bisschen Aufmerksamkeit. Heute ist mein letzter Tag in Limbe. Ich fühle mich fit und werde morgen aufbrechen. Gerd hat mich schon vor 3 Tagen verlassen, um den Süden Kameruns zu erkunden. Clovis ist heute zum Dank und zum Abschluss von mir zum Essen eingeladen. Gegen 17:30 kommt der Chef auf die glorreiche Idee noch einen Dachträger gießen zu lassen. Als ich die Jungs eine Stunde später bei gut einem Drittel des Trägers ankommen sehe, diskutiere ich mit selbigem über die Sinnhaftigkeit dieses Unterfangens. Er bleibt hart. Es wird dunkel. 09Mit 2 Helfern Arbeitet es sich leichterGegen 20 Uhr erklärt Clovis, sein Team könne nicht weitermachen. Fertig machen oder gehen ist der Kommentar des Chefs. Da hier nichts zur Diskussion steht, schmeiße ich mich solidarisch in meine dreckigen Klamotten, ziehe mir die Kopflampe an und aktiviere Bob Marley auf meinem Taschenradio. Clovis ist gerade dabei kraftlos Schotter in die Eimer zu laden um die nächste Ladung Beton zu mischen. Als ich mir eine Schaufel greife, schlägt mir ein breites Grinsen entgegen. Wir klopfen uns gegenseitig auf die Schulter und holen alles raus. Der Motivationsschub und das Gemeinschaftsgefühl im Team sind unbeschreiblich. Wenn einer nicht mehr kann, springt ihm ein anderer bei. Daraus ziehen wir unsere Kraft. Es geht voran und nach knappen 2 Stunden sind wir tatsächlich fertig. 6 Tage die Woche 10-12 Stunden am Tag hart arbeiten, bei unangenehmen Temperaturen und schlechtem Essen und doch jeden Morgen mit einem Lächeln an die Arbeit kommen. Ich habe nichts als tiefsten Respekt für die Jungs übrig, für die diese Aktion keine einmalige Sache ist, sondern zum harten Alltag gehört.