Georg, Leila, Stella

 Leila,Georg und Stella am Kongoufer

Am zweiten Abend in Kinshasa, Hauptstadt der Demokratischen Republik Kongo, werde ich von den Sicherheitskräften meiner bisherigen Unterkunft auf die Straße gesetzt. In dieser schwierigen Situation klopfe ich 2 Straßen weiter an die Pforte der GIZ, der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit. Nach einem kurzen Gespräch mit einer Mitarbeiterin erscheint Georg am Tor. Ich werde mit einem festen Händedruck und einem Lächeln begrüßt. Er versteht meine Situation sofort und es sei kein Problem mein Zelt hier im Garten aufzubauen.

Am nächsten Morgen offeriert er mir noch eine Nacht zu bleiben, auch werde ich eingeladen bei ihm zu Abend zu essen. Am Abend werde ich herzlich von Leila, seiner Frau und von Stella, der kleinen Tochter willkommen geheißen. 02StellaStella nimmt mich gleich voll in Beschlag um ihre Lego Burg fertig zu bauen, während die beiden das Essen zubereiten. Die selbst gemachte Lasagne mit Vorspeisen Salat und Dessert ist auf jeden Fall das Beste was ich seit 5000 Kilometern genießen durfte. Wir sitzen noch lange nachdem Stella im Bett verschwunden ist und unterhalten uns über Afrika. Gerade sammele ich meine Jacke und meinen Helm ein um aufzubrechen, da meint Georg ich könne das Zeug mit ins Gästezimmer nehmen. Seit ein paar Stunden kenne ich die Familie, schon darf ich einziehen. Mir stehe es frei noch ein paar Tage zu bleiben. Alle seien einverstanden.

So genieße ich das Familienleben. Morgens frühstücken wir gemeinsam. Leila bringt die kleine Stella zum nahegelegenen Kindergarten, wobei ich die beiden hin und wieder begleite. Danach geht es für Georg ins Büro. Er schmeißt zusammen mit einer Kollegin Tag für Tag die Verwaltung der GIZ im gesamten Kongo. Bei 196 nationalen und internationalen Mitarbeitern, der Verständigung auf Deutsch, Englisch, Französisch und allerlei lokalen Dialekten sicherlich kein einfacher Job. In 13 verschiedenen Projekten die koordiniert werden müssen steht man der komplizierten, kongolesischen Bürokratie, der „laisser faire Attitüde“ vieler Locals und nicht zuletzt der Korruption gegenüber. http://www.giz.de/de/weltweit/348.html Nebenbei muss noch der Ministerbesuch von Herrn Müller vorbereitet werden. Trotz alledem sieht man Georg nie Stress mit nach Hause tragen. Er strahlt immer Ruhe aus.

08LeilaMit Leila verbringe ich meist den Vormittag. Sie hat immer ein Lächeln im Gesicht und ist gut drauf, lässt sich nur gelegentlich mal von ihrer Tochter ein wenig ärgern. Sie ist Schauspielerin und Sängerin. Alle zwei bis drei Tage kann ich der Probe mit ihrer lokalen Band beiwohnen. Sie spielen ihre selbst geschriebenen Stücke. Eine gute Mischung aus modernem Pop und interessanten afrikanischen Rhythmen. Genial und mit viel Hingabe performt macht es bei jeder Probe Spaß dabei zu sein.http://www.leilalaaraj.com/ 14Leilas BandWenn nicht gerade geprobt wird gehen wir am Kongo laufen, machen Fitnessübungen oder es gibt mal wieder was im Haus zu reparieren. Gegen Mittag wird Stella vom Kindergarten abgeholt. Keinesfalls ausgelastet spielen wir in der Wohnung, im Garten oder im Swimmingpool. Stella kann Deutsch, Englisch und Französisch mit ihren 3 Jahren relativ fließend sprechen. Immer aufgeweckt und voller Energie macht es viel Spaß mit ihr Zeit zu verbringen. Am dritten Abend haben Georg und Leila eine Verabredung mit Freunden. Da ich mich nicht so Fit fühle und lieber früh schlafe biete ich meine Dienste als Nanny an. Obwohl wir uns erst seit kurzem kennen wird mir volles Vertrauen entgegengebracht und Stella hat auch kein Problem damit wenn es die gute Nachtgeschichte mal auf Deutsch gibt.

18Probe von Leilas Band

Der KongoIn den nächsten Tagen ist häufig zum Essen geladen. Viele interessante Freunde kommen vorbei oder werden Besucht. Mitarbeiter der GIZ, der Europäischen Delegation, NGOs oder auch mal Militärs. Wir gehen auf ein traditionelles Rumba Konzert, in die Restaurants der Vorstadtviertel. Treffen internationale und Kongolesen. Schauen uns am Wochenende die gigantischen Kongo Stromschnellen an. Georg und Leila sind im Gegensatz zu anderen im Ausland lebenden Familien sehr integriert in der Gesellschaft hier. Auch mal mit den Kongolesen in Kontakt zu kommen, ihre Kultur und Probleme zu verstehen, den Anspruch haben leider nicht viele.

19Georg, Leila und Stella. Letztere laest sich nicht gerne fotografieren

Wolf und JuniorIm Kontrast dazu ist aber auch das Leben innerhalb des Appartementkomlex sehr interessant. Unter uns wohnen 3 amerikanische Militärs, Mick, Alain und Don auf Ausbildungsmission. In einer der Villen wohnt ein englischer Botschaftsmitarbeiter mit seiner hübschen Tochter, Hope. Gegenüber der Chef der Anlage, Wolf. Man lädt sich gegenseitig zum Essen ein, Besucht sich oder trifft sich mal am Pool. Georg und Leila sind am Wochenende immer für etwas Sport im großen Garten zu haben. Wenn es zu heiß wird versuchen wir Stella das Schwimmen beizubringen. Das Gerd da etwas länger braucht um den Grenzübergang zu managen kommt mir sehr gelegen.

Als es jedoch kritisch wird mit der Grenze springt Wolf ein. Er hat bereits vor 30 Jahren den Komplex hier errichtet und ist seitdem Investor und Geschäftsmann im Kongo und in Kolumbien. Er hat viele Beziehungen, bis hin zum Bruder des Präsidenten, sie helfen Gerd wieder über die Grenze zu bringen. Ohne ihn würde Gerd heute noch im Hafen festsitzen. Wolf ist trotz seines Einflusses und seines Wohlstands nie überheblich gegenüber seinen Gästen oder seinen Mitarbeitern bzw. Angestellten. Ein sehr sympathischer Mann der in den Wochen im Kongo zum guten Freund geworden ist. Oft werden wir zum Essen eingeladen und immer hat er ein offenes Ohr wenn es mal wieder ein Problem gibt.

07Bastelstunde mit den Busy BeesNach mittlerweile drei Wochen bei meiner temporären Familie kann ich mich ehrenamtlich im Kindergarten Stellas engagieren. Die „Busy Bees“ sind eine lustige Gruppe internationaler Kinder zwischen 3 und 5 Jahren. Der englisch-französische Kindergarten wird von Pippa, einer englischen Dame mit einer Leidenschaft für Afrika geleitet. Der Job hier macht unheimlich Spaß. Die Sprachkenntnisse kann ich mit den Kleinen auch verbessern. Es ist anstrengend ständig zwischen Deutsch mit Stella und Englisch und Französisch mit den anderen Kids zu wechseln. Es wird gebastelt, gelesen und natürlich viel Sport gemacht. Es fasziniert, dass es keine Unterschiede zwischen all den verschiedenen Herkunftsländern, Kulturen oder Hautfarben zu geben scheint. Diskriminierung oder Ausgrenzung sucht man hier vergebens.

Da können die Erwachsenen noch was von den Kindern lernen. Stella ist da auf dem besten Weg genauso tolerant zu werden wie ihre Eltern. Häufig kamen mir lange im Ausland lebende Europäer viel verschlossener und isolierter vor. Mit Leila kann ich während dem abendlichen Rezeptaustausch beim gemeinsamen Kochen viel über Probleme der Frauen im Kongo reden. Sie hat immer ein offenes Ohr für Lina, alleinerziehende Mutter und Haushaltshilfe im Appartement.

Georg hat mich auf einen Drink eingeladenGeorg hat schon in Spanien, Ecuador und Liberia privat und für die GIZ gearbeitet. Kurzeinsätze in vielen Regionen der Erde kommen dazu. 3 Wochen Afghanistan, Äthiopien und viele Besuche in den entlegenen Projektadressen im Kongo. Er hat immer was zu erzählen und wir diskutieren viel an den langen Abenden auf der Terrasse. Er ist immer für eine Überraschung gut. Nach einiger Zeit erzält mir Leila, die kreativen Bilder welche überall in der Wohnung verteilt sind habe er gemalt. Georg zeigt mir sein Atelier und seine bisherigen Werke →  http://www.eisenmenger.eu/

 

Stella macht Pizza

Georg und Leila schaffen es auf beeindruckende Weise Europäische Disziplin und Präzision mit der Afrikanischen Ruhe und Offenheit zu verbinden.

„Es kommt nicht darauf an viel Geld zu verdienen, es ist wichtig glücklich zu sein.“  

27Wird bestimmt mal ne Bikerin

25Stella moechte schrauben lernen. Da hat sie den richtigen gefunden26Das kommt davon wenn man am Benzintank schnueffelt

 

 

 

 

 

 

 

09Mein Arbeitsplatz, die Terasse