In dieser neuen Rukrik möchte ich Begegnungen mit Menschen schildern. Ich werde in meinen Berichten immer wieder von Begegnungen erzählen, aber diese Rubrik ist denen gewidmet, deren Begegnung mich nachhaltig beeindruckt hat.

 

Isiyaku

 

Isiya und seine Familie.jpgAm 2. Tag auf der Obudu Cattle Ranch in Nigeria musste ich mit Erstaunen feststellen, dass mein Reifen sich auf der rauhen Fahrt vom Schlafplatz in den Bergen zur Ranch ein Loch zugezogen hat.With a little Help from my friends wird der Reifen von der Felge getrennt.jpg Mit Hilfe der örtlichen Mechaniker, im besonderen Daniel und Isiyaku, dem Chef der Werkstatt, kein Problem. Auf meine Nachfrage nach einem Örtchen um noch die ein oder andere Kleinigkeit am Bike zu reparieren, stellt mir der Chef die gesamte Werkstatt für den Rest des Tages zur Verfügung. Kurz vor Sonnenuntergang bin ich im Begriff wieder in die Berge aufzubrechen, als Isiyaku mir wie selbstverständlich das Zimmer seiner gerade verreisten Kinder anbietet. Er gibt mir heißes Wasser zum waschen und kocht uns ein Abendmahl. Am nächsten Morgen werde ich vom Duft des frischen Tees geweckt. Spiegeleier gibt es auch. Ich entscheide das Bergklima noch etwas zu genießen und mache eine ausführliche Wanderung zu diversen Wasserfällen und Aussichtspunkten. Mit meiner Rückkehr trifft auch Isiyakus Familie ein. Seine Frau Adama, sein Sohn Jubril und seine beiden Töchter Mensura und Zeinab begrüßen mich mit der gleichen Herzlichkeit, die auch Isiyaku an den Tag legt.Isiya beim Grillen der Forellen.jpg Ich räume das Zimmer und stelle mich auf eine Nacht im Zelt ein, doch mein Gastgeber hat schon mit seinem halbjährig in Kamerun lebenden Nachbarn telefoniert und bietet mir sogleich dessen Wohnung an. Zur Feier des Tages wird gegrillt.Grillfisch.jpg Der Grillmeister lässt es sich nicht nehmen mir seine besten Forellen aus der kleinen Kühltruhe zu servieren. Eine der besten Mahlzeiten, Rinderherdedie ich seit meinem Aufbruch in Wetzlos genießen darf. Am nächsten Morgen hat Adama Bohnen organisiert, da sie von meiner Vorliebe für selbige erfahren hat. Isiyaku hat heute frei. Er möchte mir seine Rinderfarm zeigen. Seit seinem 16ten Lebensjahr arbeitet er und investiert das Geld in die Bildung seiner Kinder und in eine der einzigen wachsenden Geldanlagen Afrika´s: Rinder.Rinder streicheln Wir zählen sie alle durch. Mit einstimmigem Ergebnis, dass alle 126 Tiere anwesend und gesund sind, bekommen die beiden Hirten wie immer ihren Wochenlohn vom Chef. Sie erzählen mir, dass Isiyaku ein guter” Patrone” sei. Den Lohn gebe es immer pünktlich, bei Problemen habe er häufig Verständnis und Rat. Unüblicherweise habe er auch die Behandlungskosten für seinen erkrankten Hirten übernommen, als dieser knapp bei Kasse war. Isiyaku ist ein sehr disziplinierter Zeitgenosse. Er trinkt keinen Alkohol und nimmt keine sonstigen Drogen. Ausfälliges Verhalten und Unehrlichkeit verbietet ihm seine Religion. Er ist Moslem, betet 5 mal am Tag und lebt, wie er selbst sagt, nach den Idealen des Koran. Sie gebieten ihm stets ehrlich zu sich selbst und anderen zu sein und andere Religionen und Denkweisen mit Respekt zu behandeln. Die Gastfreundschaft kommt ebenfalls , wie ich das auch in den muslimischen Ländern Marocco, Mauretanien und Mali erfahren durfte, zu grossen Teilen aus der gelebten Religion. Am nächsten Tag kommt die ganze Familie zusammen um Abschied zu nehmen. Als ich auf mein Bike steige und mich nach den Kindern auch von Isiyaku und seiner Frau verabschieden will, winkt dieser ab. Er besteht darauf mich bis zum Fuß der Bergkette zu begleiten. Mit den beiden ungleichen Bikes fahren wir in den nächsten Ort. Am Markt anhaltend ,beginne ich zu verstehen, weshalb er mich begleiten wollte. Ich werde nicht entlassen, bevor er mich nicht mit Wasser und Lebensmitteln eingedeckt hat. Ich frage, die Antwort bereits kennend, wie ich mich erkenntlich zeigen kann.

Wir seien Freunde, meint Isiyaku, es ist nicht nötig nach einem Ausgleich zu fragen. Er wisse, dass ich ihn mit derselben Gastfreundschaft in meinem Land empfangen hätte.

Ich schon, aber ...

 

Isiyakus jngste TochterIsiyaku und Ich