10.Bericht vom 23.02.2015 – 17. 03.2015

 

Km 18700 – 20800 Fahrzeit 308 – 350h

 

Kongo I

 

15Die Piste von Boko nach Luozi macht SpassDie Route nach Luozi schlängelt sich in gemütlichen Kurven durch das Grün des Kongobeckens. Gelegentlich ist etwas Aufmerksamkeit gefordert wenn es steinig wird oder an den Gefällestrecken tiefe Wassergräben die Piste durchziehen. Durch den Schlamm und Sand graben sich die relativ abgefahrenen Reifen noch gut durch. Die meiste Zeit lässt sich die Fahrt im Sonnenuntergang über die rote Erde genießen. Durch die späte Abfahrt in Boko passiere ich die Grenze zur DRC erst in der Dämmerung. Beide Seiten verlaufen unkompliziert. Es dauert nur ein wenig bis die Grenzer von den Dorfbewohnern an ihren Posten gerufen werden. Mit zunehmender Dunkelheit wird die Piste etwas anspruchsvoller. Da21Sonnenuntergang am Kongoufer aber kein Verkehr herrscht ist die vorsichtige Fahrt unproblematisch. Zwei Stunden nach Sonnenuntergang komme ich in Luozi an. Sogleich wird mir erzählt, dass meine Freunde schon in der katholischen Mission untergekommen sein. Man geht hier gemeinhin davon aus, dass alle Weißen sich untereinander kennen. Es muss sich also um weitere Reisende, den Spuren nach zu urteilen, mit Geländewagen, handeln. Die Mission offeriert mir ebenfalls einen Platz um mein Zelt aufzubauen. Das Bike kann ich sogar in der Garage des Priesters unterstellen. Da kann man nicht nein sagen. Enrico Manfredi, ein italienischer Reiseveranstalter von „CAP 180°“ und sein Kollege heißen mich in ihrer Mitte willkommen. Sie führen eine Gruppe von 4 „Abenteurern“ mit ihren beiden 4x4 Landcruisern vom Niger bis nach Namibia. Es gibt guten Espresso, Tiroler Speck, italienische Salami und guten Käse als Vorspeise und Spagetti Bolognese. Zum Frühstück fällt mir ein Pickup des Kongolesischen Roten Kreuzes auf.16Bruecken werden nicht immer sauber gehalten... Spontan wird mal geschaut, wer hier im abgelegenen Luozi so arbeitet. Mufundu stellt sich mir als „Offizier“ des CRC (Croix Rouge Congolaise) vor. Nach kurzem Gespräch lädt er mich ein, eine Nacht in Kinshasa, im befreundeten Gesundheitsministerium, zu verbringen, um mir am nächsten Tag seine Arbeit anzuschauen. Zurück im Camping Bereich der Mission wartet bereits der Chef der Immigration, Luozis, auf mich. Am Vorabend habe ich noch die Hoffnung gehegt, mich vor dem nervigen Papierkram der Grenzbeamten drücken zu können, da ich die erforderlichen Stempel schon in meinem Pass habe. Protestieren hilft nichts. Es wird noch eine Akte mit meinen Daten angelegt und das Carnet de Passage muss auch noch abgestempelt werden. Nachdem der Chef von meinem Wissen über Grenzformalitäten überrascht ist und mir meine Anmerkungen als Arroganz auslegt, haben wir einen kleinen aber heftigen Streit, als er mir für die Formalitäten auch noch Geld abziehen will. Am Ende kommen wir zu einem Ergebnis und durch meine Standhaftigkeit scheinbar beeindruckt, besteht der Chef darauf mich zum Hafen zu begleiten und mir das Ticket „Gratuit“ zu besorgen. So verabschieden wir uns im Guten und die Überfahrt ist auch noch kostenlos. Gelernt habe ich, dass die Kongolesen ein sehr stolzes Volk sind. Man sollte auf keinen Fall den Eindruck erwecken sie abschätzig zu behandeln. Gemeinsam mit den Italienern und der Rot Kreuz Delegation wird die Überfahrt nicht langweilig. Auf der anderen Seite angekommen, ist es Zeit mal wieder Saft nachzukippen, bevor sich die XT auf die 120Km feinste Piste freuen darf. An der kleinen Tankstelle entbrennt eine Diskussion, als mir der „Tankwart“ 750ml Flaschen für einen Liter verkaufen möchte. Es ist zwecklos ihm klar zu machen, dass der Liter weltweit genormt ist und nicht jeder schlaue Kongolese für sich festlegen kann was ein Liter an seiner Tanke enthält. „Hier im Bacongo ist DAS! ein Liter“, rufen die Umstehenden auf die 750ml Wasserflasche deutend. Naja, dafür ist der „Bacongo Liter“ Benzin auch etwas günstiger. Nachdem die vier Liter, immerhin sauberen Flaschenbenzins, in den Tank geflossen sind, kann der Spaß beginnen. 17Ein Traum von einer Piste fuert in leichten Kurven ueber die Huegel des Kongoufers10 Km warmgefahren und die Aufholjagd kann beginnen. Enrico meinte mit seinen Geländewagen schneller zu sein als meine alte XT 600. Wäre doch gelacht. Nach einer Stunde habe ich alle Freunde von der Fähre hinter mir gelassen und endlich (staub-)freie Bahn. Gegen Nachmittag erreiche ich Kinshasa. Knappe zwei Stunden später bin ich an der Zentrale des Roten Kreuzes. Von dort aus sind es nur 500 Meter bis zum Gesundheitsministerium, wo es angeblich ein Plätzchen für mein Zelt gibt. Dort angekommen dämmert es schon. Natürlich ist Mufundu noch lange nicht angekommen und vor Ort weiß hier keiner Bescheid. Viele Telefonanrufe später werde ich eingelassen, kann mein Zelt aufbauen und bekomme sogar einen Eimer Wasser für die Hygiene. Ein Polizist ist abgestellt um das Gelände des Ministeriums zu bewachen. Ich schmeiße mein Gepäck vom Bike und fahre mir nochmal die Stadt bei Nacht anschauen und etwas zu essen zu suchen. Von den Hochhäusern, den Leuchtreklamen und den amerikanischen Fast-Food-Ketten bin ich, nach langer Zeit außerhalb der Zivilisation, überrascht. Ich habe es nicht vermisst und vor allem in Kinshasa nicht erwartet. Die Innenstadt wirkt fast wie eine normale europäische Metropole.24Kinshasa, DR Kongo Von der sie umgebenden Armut ist hier nichts zu spüren. Im Gegenteil, die Preise sind hier für Lebensmittel, Elektronikartikel oder Unterkünfte weit über deutschem Niveau. Günstige, traditionelle afrikanische Restaurants sucht man hier vergeblich. So muss man mit dem Fast-Food Ramsch vorlieb nehmen, wenn man nicht gerade im Lotto gewonnen hat. Zurück im Ministerium wird das Zelt aufgebaut, alles stehen und liegen gelassen und geschlafen. Es stehen ein paar Reparaturen an. Die Kette muss gespannt werden, die 12V Steckdose hat gestern den Geist aufgegeben und den Spiegel könnte man nach 4000 Km Abstinenz auch mal wieder ankleben. Bei dem Versuch, meine getane Arbeit festzuhalten, stelle ich fest, dass die Kamera nirgends zu finden ist. Den Rest des Tages verbringe ich mit der Suche nach der Kamera und vor allem der enthaltenen Speicherkarte mit allen Bildern, die ich seit Wetzlos geschossen habe. Da hat der Polizist seine Arbeit wohl nicht so ernst genommen. Nach viel Herumfragen ergibt sich zusammen mit der mangelnden Kooperationsbereitschaft des Polizisten ein trauriges Bild. Er kann die Kamera mit Sicherheit besser gebrauchen als ich. Kann man bei 45 Dollar im Monat auch irgendwie verstehen. Der Verlust aller Bilder wiegt allerdings etwas schwerer. Auf Zusage Mufundus gehe ich davon aus, dass es kein Problem sein wird, heute noch eine Nacht im Ministerium zu verbringen. Nachdem jedoch alle den Komplex verlassen haben, setzt mich der Polizist, angeblich im Namen des Ministeriumchefs, auf die Straße. Kurz vor 18 Uhr habe ich noch eine halbe Stunde bis es dunkel wird. Das Gepäck liegt noch kreuz und quer im Garten des Ministeriums verteilt. Hotels kommen bei den horrenden Preisen nicht in Frage. Also zu Fuß mal im Viertel umschauen,, ob mir jemand Asyl gewährt. Da ich von kongolesischen Ministerien erst mal die Nase voll habe, schaue ich mich nach internationalen Stiftungen um. Mal bei der Konrad Adenauer Stiftung anklopfen. Leider ist der Chef nicht im Hause und so bleibt es bei einem Kaffee mit der netten Sekretärin. Zwei Tore weiter finde ich die Zentrale der GIZ, der deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit. 10Der Garten der WohnanlageNach kurzer Diskussion mit den Securities wird der Chef geholt, der hier auch noch zur späten Stunde am schaffen ist. Georg Eisenmenger begrüßt mich mit einem festen Händedruck und einem Lächeln. Hier werde ich wohl nicht wieder weggeschickt. Eine Kopie meines Reisepasses und schon darf ich im schönen Garten der GIZ campen.20Meine Gastgeber nehmen mich mit zu den Stromschnellen des Kongo Es gibt noch ein Abendbrot mit den Securities, eine Dusche und eine ordentliche Toilette stehen mir frei zur Verfügung. Hier fühle ich mich willkommen. Ich könne problemlos noch eine Nacht hier verbringen und zum Abendessen bei ihm vorbeischauen, meint Georg am nächsten Morgen. Das bietet mir Zeit mich, ein wenig unter die Einheimischen zu mischen und mir ein Bild von der Stadt zu machen. Vielen ist der Kontrast hier zu den umliegenden Slums und der Armut im ländlichen Bereich nicht bewusst, oder sie wollen es nicht zugeben. Eine Parallelwelt! Schöne Autos, Restaurants, Shopping Malls, Hotels und unheimlich viele junge Menschen lassen die Stadt auf den ersten Blick sehr lebendig und lebenswert erscheinen. Gegen Abend begleite ich Georg zu dem Appartement nahe seinem Büro. Bei seiner Familie werde ich sehr nett aufgenommen (Siehe Begegnungen: Georg, Leila, Stella) und so ziehe ich ein paar Tage ein. Kann mal wieder Kontakt mit der Heimat aufnehmen, Sport machen und etwas Gewicht draufschaffen, mit der kleinen Stella spielen oder mir einfach die Stadt anschauen.

23Die beiden haben mehrmals an der Rallye Paris Dakar teilgenommen und halten sich mit Motocross fit22Motocrossrennen in Maloukou, nahe KinshasaIn Kürze will auch Gerd in den Kongo einreisen und so entscheide ich die Ostdurchquerung des Kongos gemeinsam mit ihm anzutreten. Von einer Freundin Leilas, Fanny, erfahre ich, dass am anstehenden Wochenende ein Motocross Rennen, nahe Kinshasa in dem kleinen Ort 13Die zwei CrossfahrerMaloukou, stattfindet. Da schau ich doch mal vorbei. Vielleicht kann ich die XT ja mal ein wenig an die Grenzen bringen. Die Fahrer sind sehr gastfreundlich und nehmen mich gleich in die „Familie“ auf. Thomas, der Bruder von Fanny, erkennt mich gleich und wir verfallen in Benzingespräche. Mir bietet sich auch gleich die Möglichkeit beim Rennen zu helfen, da sich der ehemalige französische Meister zwar sehr gut auskennt, was das Fahren seiner Yamaha angeht, beim Schrauben jedoch kann ich ihm was zeigen. Heute ist er leider dennoch nur dritter geworden. Auch die beiden Besten heute lerne ich kennen. Frank Verhoestraete, kongolesischer Champion und 4-maliger Paris-Dakar Teilnehmer und seinen Freund und Dakar Kollegen Alain Duclon. Frank hat die vor uns liegende Ostdurchquerung schon mit einer Wettbewerbs KTM und einem Rucksack bewältigt. Er gibt hilfreiche Tipps für den genauen Routenverlauf und die schwierigen Stellen. Bei Franks Beschreibung kommen erste Zweifel, ob es mit Gerds BMW machbar sein wird. Fragt man allerdings zehn verschiedene 05Fussball im Kindergarten Busy Bees.Leute zur Straßenqualität bekommt man zehn unterschiedliche Antworten. Also abwarten und ausprobieren. Gerd ist seit vier Tagen auf der Suche, um ein Schiff von Brazzaville über den Kongofluss nach Kinshasa zu finden, ohne seine gesamten Ersparnisse bei der Überfahrt zu vernichten. Die Linienfähre nimmt offiziell keine Motorräder mit. Nachdem alle anderen Anfragen nur mit horrenden Preisen beantwortet werden, versucht er meine Route über Luozi einzuschlagen. Die Piste ist allerdings mit dem schweren Boxer, in Kombination mit dem Regen der vergangenen Tage, nicht zu fahren. So geht es wieder auf die Suche nach einer Fähre. Für über 100$ wird schließlich ein Schiff gebucht.06Mittagessen Bis die Überfahrt tatsächlich stattfindet und der Kran für die GS fertig ist, gehen allerdings nochmal zwei Tage ins Land. In der Zwischenzeit habe ich die Möglichkeit mich ehrenamtlich im Kindergarten Stellas zu engagieren. Mir wird auf jeden Fall nicht langweilig. Am Abend des siebten Tages bekomme ich einen Anruf von der Hafenbehörde Kinshasa, ich möchte meinen deutschen Kollegen aus dem Hafen abholen. Gerd ist versehentlich im Cargo Hafen angekommen und die Beamten der Immigration haben auch schon alle Feierabend. Sein Bike und 07Bastelstunde mit den Busy Beessein Reisepass bleiben als Pfand im Hafen. Nachdem es im Hafen den ganzen Tag kein Wasser, geschweige denn Nahrung gegeben hat, ist das Wiedersehensessen das passsende Willkommen für unseren Gast. Wolf Lagner, Chef des 10 Parteien und 2 Villen umfassenden Appartementkomplexes, stellt spontan ein gerade leerstehendes, voll möbliertes 400qm Appartement für den Reisenden zur Verfügung. Tags darauf begleite ich Gerd als Dolmetscher zum Immigration Büro in Hafen. Zwei Stunden nach Dienstbeginn kommt der zuständige Polizist und beginnt zu arbeiten. Man nimmt sich unser an, nachdem die ganze nicht erledigte Arbeit vom Vortag vom Schreibtisch geschoben wurde. Da wir im afrikanischen Rhythmus drin sind, kann uns so schnell nichts aus der Ruhe bringen. Also schildern wir freundlich und geduldig unsere Situation. Warum Gerd denn nicht bereits am Vortag erschienen sei? Warum nicht mit der regulären Fähre? Erst dem Polizist, dann dem Vorgesetzten und schließlich dem Chef der Immigration schildern wir wieder und wieder warum wir hier sind und was wir wollen…, im Grunde nur einen kleinen Einreisestempel neben Gerds gültiges Kongo-Visum. Alle Dokumente sind in Ordnung und so langsam scheint es vorwärts zu gehen. Wir halten beide wieder unsere Pässe in der Hand, das Bike ist aus dem Zoll und die Gebühren sind bezahlt. Plötzlich bekomme ich erklärt, das Visum werde nicht anerkannt, da es nicht in Deutschland ausgestellt worden sei. Man werde den „Illegalen“ jetzt wieder zurückschicken. Das man das Visum an einer regulären kongolesischen Botschaft ausgestellt und bezahlt habe interessiere nicht. Ein dickes rotes ANNULÉ wird über die Seite des Passes gestempelt. Gegen so viel dreiste Überheblichkeit kann ich allein nichts ausrichten und heize durch die Stadt um die deutsche Botschaft, die GIZ, den Großunternehmer Wolf Lagner und die EU Delegation hier im Kongo zu informieren. Als ich jedoch zurück zum Hafen komme, sehe ich Gerd und seine Maschine gerade noch beim Ablegemanöver auf der anderen Seite des großen Stacheldrahtzauns.

In der späteren Diskussion eröffnet mir der Chef der Immigration, er habe vor seinem Job hier bei Frontex zwischen Marokko und Spanien gearbeitet und dort viele seiner Landsmänner nach Afrika deportieren müssen. Es ergibt sich kein schönes Bild bei den Geschichten, die er zu erzählen hat. Die Aktion heute war quasi die Rache des kleinen Mannes, der nicht verstanden hat, dass nicht alle Weißen gleich ausländerfeindlich sind, deren Regierungen keine oder wenige Flüchtlinge ins Land lassen. Die Diskussion verschärft sich und wären Leila und Wolf nicht bei mir, wäre es sicher zu Ausschreitungen gekommen. Als mich der Chef fragt, ob er meinen Pass nochmal sehen könnte und wo denn eigentlich meine Maschine steht, ist die Diskussion beendet. Ich springe auf die XT und fliege aus dem Hafenbezirk bevor noch einer auf die Idee kommt die Pforten zu schließen. Gerds Schicksal werde ich trotz aller Solidarität nicht teilen.

Die nächsten Tage verstreichen, ohne dass wesentlich Bewegung in die Sache kommt. Zumindest ist es Gerd erlaubt auf der anderen Seite den Hafen zu verlassen, obwohl sein Visum für die Republik Kongo (Brazzaville) natürlich nicht mehr gültig ist. Alle Hebel werden hier in Bewegung gesetzt, um ihn wieder rüber zu holen. Allerdings tut sich erst was, als Gerd sich bereit erklärt 640$ für ein neues Visum locker zu machen. Da es nicht mein Geld und meine Entscheidung ist, kann ich nicht verhindern, dass genau die Leute, die diese Misere verursacht haben, jetzt auch noch dafür geschmiert werden. „So läuft es immer im Kongo“ meint Wolf später zu mir. Nach 6 Tagen trifft der Wikinger wieder in Kinshasa ein. Drei weitere Tage vergehen, bevor er seinen Pass mit Visum endgültig wieder hat. Für das Geld was dabei draufgegangen ist, hätte man nach Deutschland fliegen können und ein Kongo Visum vor Ort beantragt. Von dem Grenzübergang Brazzaville – Kinshasa kann also wiederholt allen Reisenden nur abgeraten werden!

04Panorama der Savanne nahe Tschikapa

07Talblick von der schoenen Piste Richtung Kananga02Richtung Osten werden die kongolesichen Pisten immer schlechter. 05Erstmal ne Pause unter dem SchattenspenderEndlich geht es nach über drei Wochen wieder in den Sattel. Die erste Tagesetappe gen Osten führt uns nach Kikwit. Wir sind zu unterschiedlichen Zeiten losgefahren und treffen uns nach 10 Stunden Fahrt auf guter Straße wie immer zufällig im selben Hotel/Restaurant wieder. In dem kleinen Städtchen gibt es leider auch nur ein völlig überteuertes03Im Dreck spielen macht wie immer Spass Hotel. Wir teilen uns das Einzelzimmer und ich baue beim Anblick der Betten lieber mein Zelt auf dem Balkon auf. Mit aufgehender Sonne sitzen wir hochmotiviert auf den Bikes. Auf die vermutete Piste freue ich mich schon. Laut Frank wird es kurz nach Kikwit heftiger. Die ersten 100Km verlaufen auf einer guten,, aber doch teilweise mit Schlaglöchern versehenen, Straße ohne Probleme. Plötzlich bricht der Asphalt ab und wir befinden uns mitten auf einer chinesischen Großbaustelle. Der angelegte Untergrund für die zukünftige Straße lässt sich zunächst gut fahren. So ignorieren wir alle Absperrungen und Baufahrzeuge und graben die neue Straße ein wenig um. Nach einiger Zeit geht’s allerdings in die nächste Phase des Straßenbaus. Hier haben die Raupen und Tieflader nur ein paar Schneisen in den Wald gezogen. Wenn man nicht gerade in Spurrillen versinkt wird man von Kettenspuren der Raupen ordentlich durchgeschüttelt. Mit der „kann ja nur besser werden“ Motivation geht es weiter Richtung Kananga. Die ursprüngliche Schneise verengt sich zusehends. Es bleiben nur noch zwei, sehr sandige Spurrillen deren Ränder mir in regelmäßigen Abständen die Füße von den Rasten reißen. Wo die XT allerdings noch drüber schwebt, sinkt die BMW knöcheltief ein. Es stinkt nach Kupplung. Die Geräusche, die der Boxer von sich gibt, klingen nicht sehr vertrauenserweckend. Am Nachmittag ist nach achtstündiger Fahrt keine Besserung in Sicht. Die Sonne bruzzelt uns bei 35 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit. Ich frage einen der Tieflader- Fahrer nach der zukünftigen Straßenqualität. „Wird nicht besser bis Lubumbashi, ein paar Flussdurchquerungen kommen in den Bergen dazu“. 1500Km halten wir das nicht durch, geschweige denn das Material. Umdrehen ist angeraten.

06Wer zuerst ausweicht hat verloren08Die BMW gibt mal wieder den Geist auf09Mit viel Manneskraft wird die GS auf den Truck gehievt Wir stellen uns darauf ein im Busch zu übernachten. Kurz vor der Dämmerung stürzt Gerd. Das Bike springt nicht mehr an. Die Maschine steckt in einer der Spurrillen der Hauptpiste fest. Kein lustiges Unterfangen, wenn wieder einer der rasenden Tieflader vorbei kommt. Während wir noch überlegen, wie wir das 350Kg schwere, Monster aus der Schusslinie der Trucks bekommen kommt schon der erste um die Kurve gerollt. Er stoppt rechtzeitig. Ich kann dem Fahrer die Situation schildern und nach kurzen Verhandlungen wird die BMW auf den eigentlich bereits vollen Truck geladen. Mit schierer Muskelkraft wird das Bike mit vollem Gepäck auf die knapp zwei Meter hohe Ladefläche gehievt. Der Truck fährt heute noch nach Kikwit zurück. Also bleibt mir auch, wenn ich mir die Gewitterwolken am Horizont anschaue, nichts anderes übrig außer die Nachtfahrt durch den Busch ebenfalls anzutreten. Was bei Tag schon Konzentration erfoderte, geht in der Nacht ans Limit. 150 Km üble Piste ohne GPS oder Menschen, die man nach dem Weg fragen kann. Hoffentlich habe ich mir alles gut eingeprägt.

01Multifunktionstrucks sind im Kongo haeufig zu finden. Vermutlich wird eigentlich Holzkohle tranportiert. Um die Fahrt aber voll auszunutzen ist er auch noch Tanklaster, Postkutsche und Taxi

 SAM 0065