3. Bericht vom 21.11.2014 – 08.11.2014


Km 6200 – Km 10100 Fahrzeit: 101h – 167h


Afrika Westsahara - Mauretanien - Senegal

 

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Camping mit dem Kommandanten. Im Hintergrund ein Teil des Minenstreifens


Noch 400 Km bis zur Grenze Mauretaniens. Geplant waren dafür 6 Stunden. Die zahllosen Polizeikontrollen sehen in letzter Zeit nicht viele ausländische Touristen und interessieren sich immer für meine  Geschichte. Sie sind sehr nett, aber an jedem Posten eine viertel Stunde zu quatschen kostet viel Zeit. Bei Km 320 mitten in der Wüste schickt sich der rote Planet an im Ozean zu versinken. Ich frage kurzerhand einige am Straßenrand campierende vermeintliche „Nomaden“nach einem Schlafplatz. Diese stellen sich schnell als Militärs in Zivil heraus und kontaktieren ihren Kommandanten. In einwandfreiem Französisch wird mir erklärt, dass ich im Basislager übernachten könne. Ich schwinge mich aufs Bike und fahre weitere zehn Minuten, bevor ich in eine Piste einbiege und auf eine u-förmige Felsformation am Horizont zusteuere. Im Schutz der Felsen stehen eine Hand voll Baumwollzelte. Mit großem Interesse wird verfolgt, wie ich mittlerweile in 90 Sekunden mein Zelt aufbaue. DSCF3024Ob ich auch vom DSCF3018Militär wäre, möchte der Kommandant wissen. Wir setzen uns in das größte Zelt. Tee, Baguette und Käse werden gereicht. Wir stellen uns vor und Mohammed erzählt mir, dass er eine Laufbahn vergleichbar mit unserer Offizierslaufbahn incl. Studium durchläuft. Pflicht ist hier ein dreijähriger Dienst im Grenzgebiet der Westsahara zu Mauretanien bzw. Algerien. Einen dreimonatigen Dienst verbringen die Soldaten mit einfachsten Mitteln in ihren kleinen Zelten im Wechsel mit einem ebenfalls dreimonatigen Dienst in festen Hütten in einer Militärbasis weit im östlichen Sahara- Sperrgebiet. Ein knapper Monat Urlaub steht ihnen nach zwei Dienstperioden zu, bevor es wieder in die Einsamkeit geht. Sie seien an dieses Leben gewöhnt, sie genießen es ,ausgesetzt zu sein, meint einer der Soldaten zu mir. In ihrer Wüste möchte ich nicht gegen sie antreten. Am nächsten  Morgen wird mir bei Abfahrt noch geraten, ab jetzt auf der Straße zu bleiben, da es noch viele aktive Anti-Personen-Minen in diesem Gebiet gebe. Nach kurzer Zeit passiere ich reibungslos die marokkanischeGrenze und genieße im Gegensatz zu den meisten anderen Fahrern den 4 Km Sandsteifen im Grenzgebiet. Ist ziemlich einfach zu fahren. Auf der mauretanischen Seite der Grenze strapazieren die Behörden meine Geduld ganze 4 Stunden. Entgegen der Informationen aus meiner Internetrecherche, wird behauptet, die Zollabfertigung des Bike`s, koste 50 anstatt 10 Euro. Bis zum höchsten Beamten, auf dessen Bestätigung ich bestehe, wird mir dieselbe Story von gestiegenen Preisen erzählt. Ich muss schließlich zahlen. Im Nachhinein erfahre ich, dass ich belogen wurde. Höchstwahrscheinlich lag es daran, dass der Chef die Abwicklung am Samstag nicht überwacht ... Ich schaffe es noch ins 50km entfernte Nouadhibou, wo ich einen kleinen Campingplatz finde.DSCF3028 Tags darauf fahre ich auf den Tip eines italienischen Abenteurers hin, durch den Nationalpark Banc d’Arguin an der Küste zwischen Nouadhibou und der Hauptstadt Mauretaniens. Ich übernachte nach dem anstrengenden Tag mal wieder bei völliger Stille inmitten des Sandes. Am nächsten Tag verlässt mein Koffer nach einem  kleinen Sprung den Träger, was durch die plötzliche Gewichtsverlagerung zum Sturz führt.DSCF3043 Die verbliebenen 150Km bis Nouakchott lege ich aus Angst vor weiteren Gepäckverlusten auf Asphalt zurück. Ich folge dem Tipp von Dietmar und Martina aus Dakhla und kehre im traumhaften Strandrestaurant Les Sultanes ein um mich zu stärken. Auf Nachfrage ist es kein Problem dort direkt am Ozean zu campen.DSCF3031a Ich genieße die nette Atmosphäre und bleibe 2 Tage, um die kleinen Blessuren der XT wieder instand zu setzten. Auch das Visum für Mali beantrage ich im nahe gelegenen Nouakchott. Nach einer halben Stunde und 30€ ist das erledigt. Auch die Grenze bei Ayoun el Atrous sei offen, teilt man mir bei der Ausgabe des Visums mit.DSCF3035 Ich lasse mich auf dem Bike durch die Stadt treiben und schaue mir in einem kleinen Straßencafe den Alltag hier an. Am 2. Tag breche ich kurz nach DSCF3042Sonnenaufgang ins Landesinnere  Mauretaniens auf. Es geht auf guten Strassen gen Osten. DSCF3037Ich schaffe 600Km bei stetig steigender Temperatur. Gegen Abend werde ich in einem kleinen Ort in der Nähe von Kaedi im Südosten Mauretaniens an einem Checkpoint angehalten. Die Polizisten informieren mich, dass es keine Campingmöglichkeiten in der Nähe gibt. Es wäre am sichersten an ihrem Checkpoint das Zelt aufzuschlagen. Das Angebot nehme ich gerne an. Der Checkpoint liegt mitten in einem 200 Seelen Dorf und besteht aus einer kleinen Hütte mit 3 Feldbetten incl. Sonnenschirm direkt an der Straße. Zu viert haben sie eine 24 Stunden Schicht. Sie kommen alle aus der Gegend und werden von ihren Familien versorgt. Ich bekomme das Dorf gezeigt und erlebe eine Nachtschicht am Checkpoint. Bei all den unbeleuchteten Eselskarren, Taxis und absolut überladenen Lkws bin ich froh nicht bei Nacht fahren zu müssen. Am späten Abend kommt auch noch der Polizeichef vorbei um sich mir persönlich vorzustellen und das Ok für die Übernachtung zu geben. Am nächsten Morgen frühstücke ich sehr früh und gönne mir noch einen Tee mit meiner „Leibgarde“, als der Chef anruft und mich über Telefon informiert, dass die Grenze zu Mali geschlossen sei. Es bleibt also nur noch der Weg zurück über den Senegal. Da die Chancen für eine schnelle Einreise am besten stehen, fahre ich die Strecke bis nach Rosso in einem Rutsch.

Gegen 14 Uhr wage ich mich durch die wahrscheinlich schlimmste Grenze Westafrikas. Es kostet mich 5 Stunden, jede Menge Nerven und einen Haufen Geld. Gegen 19 Uhr bin ich tatsächlich im Senegal. Soweit ich den Überblick wahren konnte, war es ohne Korruption möglich. Ich habe noch nie schlimmere Bürokratie erlebt. Der Ablauf der Formalitäten erinnert mich an Asterix und Obelix in Rom im Haus das Verrückte macht  Link (https://www.youtube.com/watch?v=lIiUR2gV0xk ). Mangels Campingmöglichkeit im stark bevölkerten Gebiet des Flusses Senegal, welcher die natürliche Grenze bildet, nehme ich das Angebot eines senegalesischen Gendarmen an, in ihrer Wache zu übernachten. Ich koche noch für die beiden Polizisten, gönne mir eine Dusche mit einem Eimer Wasser und verschwinde früh im Zelt. Am nächsten Morgen packe ich vor Sonnenaufgang zusammen. Kurz vor Abfahrt werde ich nochmal in die Wache gerufen. Der Chief Officer, welcher mir am Abend vorher diese ausdrücklich kostenlose Schlafmöglichkeit anbot, fragt mich ganz dreist nach einem „Geschenk“ für ihn und seine Kollegen. Ich versuche ihm zu vermitteln, dass ich nicht bereit bin im Nachhinein für die Schlafmöglichkeit zu bezahlen. Nach zehn Minuten Diskussion holt der Chief officer noch zwei Polizisten ins Büro. Mein Geduldsfaden reißt im selben Moment. Ich gebe mich eingeschüchtert und erkläre ihnen, ich müsse mein Geld aus dem Koffer am Motorrad holen. Das einzige was sie von mir noch bekommen, ist eine ordentliche Portion Staub und Steine, als die XT beim ersten Kick aufheult und den Pfad zur Straße entlangfliegt.

Die EU-geförderten Straßen über St. Louis nach Dakar sind in hervorragendem Zustand. Gegen Nachmittag treffe ich in der Dakar-Vorstadt Ngor ein und suche vergeblich den auf der Karte eingezeichneten Campingplatz. Da es Wochenende ist, muss ich bis Montag eine Unterkunft suchen um meine Zolldokumente abstempeln zu lassen. DSCF3052Das geht nur in Dakar. IMG-20141203-WA0000Nachdem ich mehrmals die Uferpromenade abfahre, spricht mich ein junger Senegalese an. Ich schildere ihm meine Situation und er bietet mir prompt eine Unterkunft in seinem Haus auf der l’Ile Ngor an. Auch wIMG-20141203-WA0001enn ich etwas skeptisch bin, setze ich kurze Zeit später mit dem wichtigsten Gepäck über. Sein Haus entpuppt sich als unfertiger Rohbau eines Hotels. Seine Wohnung hat er in einem der zahllosen Räume mit einem Moskitonetz und einer Feuerstelle eingerichtet. Waschen kann man sich am 50 Meter entfernten Strand und Toiletten gibt es in den umliegenden Strandbars genügend. Was Besseres hätte ich kostenlos wohl kaum finden können.DSCF3068 IMG-20141203-WA0002Ich baue mein Zelt neben seinem Moskitonetz auf und  meinen Kocher neben seiner Feuerstelle. Ich fühle mich verpflichtet für dieses nette Angebot zumindest für die nächsten drei Tage für eine ausgewogene Ernährung für Mbougou und mich zu sorgen. Zur eigentlich geplanten Aktualisierung meines Tagebuchs komme ich vorerst dank der interessanten Bevölkerung der Insel nicht. Es ist ein bunter Mix aus Einheimischen und Touristen, Surfern, Lebenskünstlern, Musikern und Rastafari. DSCF3076Ich lerne einige Touristen kennen, schaue den Surfern am Nachmittag zu und bekomme abends einen herzlichen Empfang bei den Musikern. Sie sehen mein Interesse, stellen mir eine Konga hin und lassen mich spontan an ihrer Session teilnehmen. Es ist unglaublich, wie man mit einem Dutzend Kongas derart grooven kann. Wir verlieren uns im Rhythmus und spielen noch lange nachdem die Sonne untergegangen ist. Wenn die Insel langsam zur Ruhe kommt ,sitzt man noch im „Hotel“ zusammen ums FeueDSCF3070r und philosophiert bei einer ordentlichen Portion Ganja. Das Leben hier kann man sich gefallen lassen. Am dritten Tag jedoch verabschiede ich mich von den vielen Freunden, die ich kennen gelernt habe, und mache mich auf ins nächste Land.

 

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Der Blick von der Klippe der l'Ile Ngor Richtung Dakar.

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Geplant ist der relativ neue Grenzübergang im Süden Senegals bei Kedougou. Die Route verläuft bis zur malischen Grenze erst durch sumpfige Gebiete und Weideland und später durch tropische Wälder. Auch ein Nationalpark wird durchquert und ich sehe ein paar Affen und viele Vögel in tausend Farben. Ich brauche knappe zwei Tage für die 850Km.  Da ich mich im Senegal sicher fühle ,schlafe ich die zwei Nächte in der Savanne etwasDSCF3056 abseits der DSCF3057kleinen Dörfer. Die Formalitäten an beiden Seiten der Grenze sind in jeweils 5 Minuten erledigt. Danach werde ich natürlich von den interessierten Grenzern auf einen Tee eingeladen um meine Geschichte zu erzählen. Hier kommen wohl nicht so viele Reisende durch. Doch wie es der Zufall will ,treffe ich, gerade als ich abfahren will, Alex aus Hamburg mit seinem kleinen chinesischen Roller ,welcher unter den großen Ortliebtaschen kaum zu sehen ist.

 

  

MAH01587.MP4 snapshot 00.27 2014.12.09 00.44.50604404632 69664 Er ist mir gleich sympathisch und wir entscheiden zusammen bis zur Hauptstadt Malis zu fahren. Da Alex ein Navigationsgerät besitzt und wir beide Lust auf Offroad haben, stellen wir mal kürzeste Strecke ein und fahren drauf los. Kürzeste Strecke bedeutet in Südwest-Mali handtuchbreite Singletrials, Felsplatten, Geröll, Flussdurchfahrten und jede Menge Sand. Eingerahmt von  mannshohem Gras, dichtem Wald, bizarren Felsformationen und gigantischen Tafelbergen, gelegentlich unterbrochen durch entlegene Dörfer.

 

 

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Für die 500 Kilometer nach Bamako benötigen wir 3 volle Tage. Eine gute Ausdauer und vor allem viel Wasser ist bei den 35-40 Grad und häufigen Schrittgeschwindigkeitspassagen nötig. Auch starke Nerven sind von Vorteil ,wenn der einzige Weg wieder einmal durch einen Buschbrand führt. Schlafen können wir in der schwach bevölkerten Wildnis fast überall. Leider bleibt uns bei den anstrengenden Pfaden keine Zeit uns die Dörfer genauer anzuschauen, was ich bei der nächsten längeren Offroad- 604404226 70115Passage 20141204-5624 nachholen werde. Auf dem letzten Stück Richtung Bamako wird Alex bei 70Kmh auf Schotter von einem LKW abgedrängt und stürzt. Da er nur eine dünne Hosen und ein T-Shirt trägt, sind schwere Schürfwunden die Folge. Die Versorgung der Verletzungen kostet 2 Stunden in der sengenden Hitze. Nach gründlicher Reinigung der Wunden, Desinfektion und steriler Bedeckung ist er wieder fahrbereit und wir können die Fahrt nach Bamako unter Anwendung einiger Schmerzmittel  fortsetzen. Tapfer! Nach 3 Stunden fahren wir in die Dunkelheit hinein und kommen gegen 22 Uhr im Sleeping Camel in Bamako an. Die letzten 3 Tage waren extrem anstrengend für Mann und Maschine, so dass eine kleine Pause unter all den Backpackern, Bikern, Weltreisende und Aussteigern aus aller Welt hier im Camel gut tut. Die Visa für Burkina Faso und Nigeria werden hier gelöst, die Maschine und die Klamotten haben sich nach 30 Tagen mal wieder eine Wäsche verdient. Es werden noch die Ventile eingestellt und dann geht es wieder voller Energie auf die Piste!

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