15. Bericht vom 27.04.2015 - 02.05.2015

 

Km 28300 - 30000 Fahrzeit 467 - 490h

 

Namibia I

05 Sonnenuntergang ueber dem Okavango04 Vizechef Georg will auch mal Biker werdenDie Piste des Mohembo Nationalparks spuckt mich mit der untergehenden Sonne wieder aus. Auf dem folgenden breiten Asphaltstreifen durch den Caprivi gestaltet sich die Suche nach einem geeigneten Schlafplatz schwierig. So folge ich einem kleinen Wegweiser "Mobola Lodge". Direkt am Okavango Fluss teilweise auf einer Insel gelegen entpuppt sich diese Campingmöglichkeit als wunderschöner Geheimtipp. Nach kurzer Zeit treffe ich Alex und seinen Sohn Georg, die mit ihrem Schäferhund über den Platz schlendern. Sie sind die Chefs hier. Ich könne mein Zelt überall aufbauen, Feuer wäre auch kein Problem. Georg bringt etwas Holz und entfacht ein Feuer. Brot und Bohnen stehen mal wieder auf dem Speiseplan, 02 Haengebruecke ueber den okavango river diesmal immerhin knuspriges Brot und warme Bohnen. Am Morgen gönne ich mir vor geplanter Abfahrt einen Rundgang über das gesamte Areal, im Besonderen über die grüne Insel im Strom des Okavango. Alex hat hier beim Designen der Hütten, Häuser und Campingmöglichkeiten ganze Arbeit geleistet. Kleine Pfade schlängeln sich über die Insel und enden schließlich bei einer, auf Stelzen im Krokodil und Nilpferdreichen Flussbett stehenden Bar. Der Blick fällt auf das Baumbewährte angolische Nordufer des Flusses. Spätestens auf der Terrasse der Bar fällt die Entscheidung noch etwas zu entspannen und eine weitere Nacht hier zu verbringen. Mit Georg wird am Abend neben der Bar gegrillt. Wir quatschen noch eine ganze Weile bevor es wieder ins Zelt am Flussufer geht. Zum Abschied darf ich mich noch dem Frühstücksmahl der beiden anschließen. Der Versuch die Campinggebühren zu bezahlen wird vom Chef im Keim erstickt. Es sei ihnen ein Vergnügen gewesen und ich möge jederzeit wieder kommen. http://www.mobola-lodge.com/en/mobola-lodge03 Traumhafte Terasse mit Bar in der Mobola Lodge

06 Lenkkopf nach Sturz justieren.In der Früh lege ich die gemütliche Asphaltstrecke durch den westlichen Caprivi Streifen zurück und quartiere mich nachmittags bei einer Freundin von meinem ersten Namibia Besuch ein. Von Rundu aus führt die Strecke weiter westwärts. Ein Stück hinter Oshikango schlage ich mich in den Busch nahe der angolischen Grenze. In diesem Gebiet lebt ein Großteil der namibischen Bevölkerung, von Viehzucht und kleinen Plantagen ernährt. Nicht einfach gestaltet sich dementsprechend auch die Suche nach einem einsamen Schlafplatz. So mache ich in der Dämmerung einfach etwas abseits der Straße ein Feuer. Ein paar Kartoffeln und ein Steak werden zusammen mit einem Schafskäse und etwas Gemüse in die Glut geschmissen. Zwei08 Nachtlager nahe der angolanischen Grenze im westen Namibias Schafhirten kommen zufällig mit ihrer Herde vorbei. Die letzten Kartoffeln werden dazu geschmissen und ich bedeute ihnen sich zu mir zu setzen. Wir haben keine gemeinsame Sprache und so sitzen wir schweigend ums Feuer. Dem Spiel der Flammen zuschauend entwickelt sich eine gewisse Sympathie für den jeweils anderen. Auch wenn wir nichts gemeinsam haben so reicht doch ein kleines Feuer um uns zusammen kommen zu lassen. Der Duft des Fleischs verbreitet sich mit zunehmender Intensität. Es ist angerichtet. Etwas überrascht nehmen sie die Kartoffel und das Steak an. Es werden die Hände gewaschen um dann in natürlichster Weise mit dem seit jeher effektivsten Besteck zu essen. Den Fingern. Schweigend, wie wir den Abend verbracht haben, verbeugen wir uns voreinander und jeder geht seiner Wege. Ich gehe nach der langen Etappe nur noch in den Schlafsack. Als ich am nächsten Morgen aufs Bike steige, alles gepackt, und gerade den Zündschlüssel rumdrehen will kommt der Dorfchef vorbei. Er gibt mir erst mal eine Belehrung darüber wen ich doch bitte zu fragen habe bevor ich hier im 07 Fischer auf dem Weg zur arbeit. Heiligen Land mein Zelt aufbaue. Zuallererst einmal ihn. Dann den Pächter des Landes, den Polizeichef und den zuständigen Ranger dieser Gegend. Ich erkläre ihm in gleicher Manier wie er eben versuchte mich zu belehren, dass ich als freier Mensch in einer freien Welt gedenke mein Zelt aufzubauen wo es mich gerade hin verschlägt. Der Zündschlüssel wird nun wie geplant rumgedreht und ich ziehe noch einen kleinen Graben in sein Heiliges Land bevor ich in einer Staubwolke verschwinde. Man kann eben nicht mit allen Menschen nett und freundlich reden.

 

09 SonnenaufgangWeiter geht es nun nach Rucana. Von dort aus über eine schöne Schotterpiste nach Opuwo. Mehrere hundert Meter hohe Staubsäulen bieten hier einen bizarren Anblick. In der Ebene von Opuwo entstehen durch die hohen Temperaturen 10 Windhose in Opuwo in Bodennähe Sandhosen die sich rasch durch die Steppe bewegen. Mal wieder Tanken und die Vorräte auffüllen bevor in das spärlich besiedelte Kaokoland im Westen Namibias aufgebrochen wird. Auf dem Weg durch die Stadt werde ich von "Traditionell" gekleideten Urvölkern angebettelt ihren Schmuck zu kaufen. Es dauert eine Weile bis ich ihnen erklärt habe, dass Schmuck in meinen Augen eine gänzlich überflüssige Abart des Konsumverhaltens und der Selbstverherrlichung darstellt, an welcher ich nicht interessiert bin. Sie werden auf meine Ablehnung hin äußerst unkommunikativ, fast ablehnend. Gerne hätte ich ihre Lebensweise kennen gelernt und mich von der Echtheit ihrer traditionellen Verkleidung überzeugt. Die, mir häufig entgegenschlagende Arroganz, die mir bei jedem Versuch der Annäherung auffällt, verhindert dies jedoch.

11 Camp Aussicht14 Aussichtsturm12 Nachhaltige DuschkonstruklionZwischen Opuwo und Sesfontein deutet ein kleines Schild zu meiner linken nach Osten "Aussicht". Aussicht klingt gut und so schlage ich den interessant wirkenden Pfad über das steinige Geröll ein. Mehr als ein Dutzend Kilometer werde ich durchgeschüttelt bevor auf einem der vielen Kuppen ein Gebäude erkennbar wird. Nach dem letzten Anstieg muss ich zugeben, hat sich die Mühe gelohnt. In Eigenregie hat Marius hier aus dem, was die raue Landschaft hergibt, einen sehr schönen Campingplatz geschaffen. Die 13 Die Toilette mit Panoramablick15 Marius, Ich, Tina und Christian vor dem alten LandcruiserGebäude aus den Rötlichen Steinen des Kaokolands mit Lehm zusammengehalten, die Wasserversorgung durch Zisternen und den Strom durch Solarkraft sichergestellt ist man hier völlig unabhängig. Die Toilette hat dem Camp "Aussicht" mit Sicherheit den Namen gegeben, nur durch den Blick vom grob zusammengeschweißten Turm auf dem Hausberg überboten. Am Abend werde ich vom Chef und seiner Frau Lotti zum Essen und anschließendem Philosophieren eingeladen. Lotti ist eine ausgezeichnete Köchin. Zusammen mit zwei "Overlandern" aus Süddeutschland und zwei englischen Ingenieuren führen wir politische Diskussionen bis tief in die Nacht. Am Ende zieht Marius ein Resümee. Nachdenklich geht es ins Zelt den Grillen lauschen. Ein Frühstück mit Tina und Christian aus DE neben ihrem 36 Jahre alten Reisegefährt lässt eine kurze Freundschaft entstehen. Vielleicht sieht man sich ja mal wieder. Ich nehme Abschied von der Aussicht und bekomme das Angebot jederzeit wieder vorbeizukommen und gerne auch mal nen halbes Jahr zu bleiben und in der Werkstatt, in der Küche oder in der nahgelegenen Mine zu helfen. Ein Lunchpaket wird mir noch von Lotti zugeworfen. Mit einem Zwinkern kündigt sie mir lange Trockenheit und schlechte Infrastruktur auf meinem kommenden Weg an.17 Panorama kurz vor Sesfontein

16 Passstrasse nahe Sesfontein

 

Die Piste Richtung Sesfontein lässt sich genießen. Ein ständiges auf und ab, langgezogene Kurven, große, trockene Flussbetten gesäumt von zerklüfteten Felswänden. In dieser einsamen, lebensfeindlichen Landschaft, reduziert auf die eigene Kraft und Ausdauer fühlt man sich grenzenlos. Mal nach Süden, mal nach Westen vergeht der Tag im Abfahren vieler Pisten bis ich vor dem Tor mit dem Totenkopf stehe: Skeleton Coast. Springbok Gate.

 

Skeleton Coast Park