16. Bericht vom 02.05.2015 - 11.05.2015

 

Km 30000 - 32000 Fahrzeit 490 - 520h

 

Namibia II

 

20 Skeleton Coast am Springbok Gate

Das Skeleton Coast Gate ist geschlossen. Ich suche mir einen Platz zwischen den umliegenden Felsformationen um das Zelt aufzubauen. Der Mond geht auf und taucht die nächtliche Wüste in ein unnatürliches Licht. Die Stille in dieser Gegend ist allumfassend. Drehe ich mich im Schlafsack so bilde ich mir ein man könne dieses Geraschel kilometerweit hören.

21 Sonnenuntergang an der Skeleton Coast

SAM 0728SAM 0721Am nächsten Morgen versucht der Wächter des Tores mir zu erklären, dass die Skeleton Coast, so wie die meisten Nationalparks Namibias für Motorräder geschlossen sei.SAM 0709SAM 0700 Wir diskutieren eine Weile bis er schließlich zu verstehen beginnt, dass mich nichts mehr davon abhalten kann meine Route so durch zu ziehen wie geplant. Er lässt mich passieren. IchSAM 0745SAM 0665 solle auf den angelegten Pisten des Nationalparks bleiben, alles andere wäre sehr gefährlich. Das klingt doch interessant. Ich versuche tatsächlich mich auf denSAM 0720 Hauptpisten zu halten, jedoch sind die kleinen Pfade rechts in Richtung der Küste und links in Richtung der Berge zu verlockend. Parallel zur Küste fliege ich über die weichen Sandstrände. Zur rechten die kalte, aufgewühlte See mit ihren zahllosen Schiffsskeletten, zu meiner linken die flimmernden Ebenen der Salzsteppe bis sich am Horizont die schwarzen Felsen des Damara Lands erheben. Keine Menschen seit ich die Küste im Morgengrauen erblickte.DSC01864 Mit den letzten Kilometern nach Swakopmund kommt wieder Leben in die Straße. Man fühlt sich im Zentrum wie in einer deutschen Kleinstadt. Unspektakulär. In einer Jugendherberge mit Campingmöglichkeit finde ich eine bleibe. Noch ein kleiner Spaziergang und dann geht`s Schlafen. Nichts los im Nächtlichen Swakop. Mit erschrecken stelle ich am nächsten Morgen fest, dass man in einer solchen deutschen Kleinstadt am Sonntagmorgen nicht in den Supermarkt kommt. Entgegen der normalen 7 Tage Woche im Rest von Afrika. Also wird das Frühstück wohl etwas teurer. Es sei 2015 05 04 07.39.59denn mir fällt was Besseres ein. Ich gehe durch den Personaleingang in ein Hotel jenseits der 4 Sterne in welchem für jeden Gast das Frühstück inclusive ist. Dort rechnet man nicht mit der Dreistigkeit es könne sich einfach jemand dazu setzen ohne Gast zu sein. Das schlechte Gewissen bleibt aus, da hier alles in üppigem Überfluss serviert wird und ich mir nicht vorstellen möchte was wohl am Ende mit den übrigen Speisen geschieht die sich noch reichlich auf den Tafeln stapeln. Ein vorzügliches Frühstück füllt nun auf jeden Fall alle Speicher wieder auf. Der Köchin noch ein Kompliment für die leckeren Spiegeleier machend verlasse ich das Hotel wieder durch den Personalausgang.

SAM 0754Wegen der Kälte in Meeresnähe dick angezogen breche ich Richtung Osten auf. Die ersten Kilometer sind angenehm zu fahren bis mit Beginn der ersten Berge Landeinwärts der Wind gebrochen wird und die Hitze der Sonne die Steppen wieder ungehindert aufheizt. Binnen weniger Minuten erhöht sich die Temperatur um 20°. Als wäre man in einen Ofen hineingefahren fäll sogar das Atmen schwer vor Hitze. Gegen Nachmittag treffe ich in Omaruru ein. Ralph, ein Bekannter aus Deutschland holt mich in der örtlichen Bar ab und wir fahren zu seinem Haus. Als Manager einer Lodge ist er mit seiner Frau ....... vor einiger Zeit nach Namibia immigriert. Hier kann ich einigen Storys aus dem namibischen Arbeitsalltag lauschen. Ein richtiges Bett im Gästezimmer wird mir angeboten und meiner Kleidung nach langer Zeit mal wieder eine Wäsche gegönnt.SAM 0755

SAM 0759Viele Geschichten über den Kampf mit den Wilderern hat Ralph zu erzählen. Obwohl die Nashörner und Elefanten durch Ranger und Überwachungssysteme beschützt werden, nimmt die Zahl der Tiere ab. Die höheren Funktionäre der Polizei und der Ranger sind korrupt genug um wegzuschauen wenn mal wieder Jagd gemacht, oder einfach das Wasser vergiftet wird, um den verendenden Tieren ihre Hörner zu nehmen. Exportiert wird dann per Diplomatenpost, 50000 Dollar das Horn, um es in Fernost als Pulver zur Potenzsteigerung zu verkaufen. Wer so etwas nötig hat dem müssen ohnehin schon lange die Eier abgefallen sein. Hoffnungslos.SAM 0741

Hans Knupp Nach Windhoek wird am nächsten Tag der zügige Weg über den Asphalt gewählt. Kaum Verkehr, bin ich pünktlich zur Dämmerung bei Hans Knupp in klein Windhoek. Ein sehr netter, durch Hans Paul hergestellter Kontakt, der einiges über Namibia der letzten 80 Jahre zu erzählen hat. Seine Frau ...... bewirtet mich vorzüglich. Ich fühle mich in den 3 Tagen die ich in der Hauptstadt verbringe wahrhaft willkommen. Die allgemeine Zeitung Namibias ist sehr interessiert an meiner Story und so gebe ich dem Sportreferenten Robby ein ausführliches Interview. Er stellt mir anschließend einen Platz in der Zentrale zur Verfügung um mal wieder das Tagebuch zu digitalisieren, Emails zu lesen oder BilderSAM 0763 hochzuladen. Die Suche nach einer Möglichkeit mein Bike zu verschiffen oder einen neuen Hinterreifen für die XT zu finden scheitert an den horrenden Preisen hier in Namibia. Windhoek hat ein paar schöne Cafes und Restaurants, sowie Nachtbars. Jedoch bin ich dem Luxus schon jetzt wieder überdrüssig und so zieht es mich wieder in die Wildnis. In der Einsamkeit der Wüste merkt man überhaupt erst wie wenig man wirklich braucht!

Das gute Essen und die nette Atmosphäre bei den Knupps reicht, um mich wieder zu stärken und die letzte Etappe des Abenteuers zu begehen. Schnell schlage ich mich von der Asphaltstraße in die

SAM 0766SAM 0767kurvigen Pisten durch den Busch. Über Nauchas fahre ich auf der Bildschönen Piste immer steiler werdende Anstiege hinauf bis sich nach einer Kurve ein gigantisches, von zerklüfteten Felsen eingerahmtes, Tal auftut. Bis an den Horizont schlängelt sich meine Piste durch die Ebene und verliert080515 J Steinbg Spreetshoogte Pass NAM 01 sich zwischen den Kämmen der sich aufbäumenden Dühnen der nördlichen Namib Desert. Der Spreetshoogte Pass ist ein Traum für jeden Landschaftsfotografen. In Solitaire, eine Stunde später ist es mal wieder an der Zeit der XT etwas Saft zu geben. Den Tank gerade wieder geschlossen, gerade zur Abfahrt bereit rollt ein blauer Landy an die Tanke heran. Tina und Christian vom Camp Aussicht springen heraus und können es kaum glauben mich wiederzusehen. Da fährt man eine Woche lang völlig unterschiedliche Routen durch die Zahllosen Wüstenpisten Namibias und trifft sich mal zufällig auf einen Tee im Tankstellencafe. Wir beschließen uns am nächsten Campingplatz nahe dem Eingang zu Sossusvlei Nationalparks wieder zu treffen und gemeinsam zu Grillen.

SAM 0815SAM 0838Mit der aufgehenden Sonne stehen wir am Gate des Sossusvlei Nationalparks. Trotz aller Verhandlungen wird man hier als Motorradfahrer zutiefst diskriminiert. Obwohl ein Bike ein Zehntel eines Allradfahrzeuges wiegt und die Wahrscheinlichkeit stecken zu bleiben weit geringer ist werden trotzdem alle Biker als Umweltzerstörer und Risikogruppe angesehen. Minderheitendiskrimierung. Der wirkliche Grund ist wohl die geringe Kaufkraft der Biker. Viele kommen wohl auch nicht darauf klar, dass man mit einem günstigeren Fahrzeug, geringerem Verbrauch und weniger Luxus trotzdem freier und schneller unterwegs ist als mit diesen sündteuren 4x4 Mietpanzern. Man erklärt mir an der Kasse ich könne ja mit einer der Touri Kutschen fahren. Wäre sogar ein Führer dabei. Genau mein Ding! Ich verlasse die Kasse zügig ohne zu bezahlen, blockiere die einzige Piste zu den Sossusvlei Dühnen und überzeuge das erste, zum Anhalten gezwungene Fahrzeug mich mitzunehmen. Ein PärchenSAM 0849SAM 0836 in den Flitterwochen. Sie kommt aus Frankreich, er aus Kanada, gelebt wird in Honkong. Klingt nach interessanten Gesprächen im Laufe des Tages. Yannick und Cecilia fangen gleich an zu plaudern. Sympathisch. So nehmen wir das schöne, von Roten Dünen gesäumte Tal bis zu den versteinerten Bäumen gemeinsam in Angriff. Nach den vielen Foto Stopps und den kleineren Wanderungen steht die Sonne schon relativ hoch als wir beschließen die Königsdisziplin zu absolvieren. Die Besteigung der "Big Daddy" Düne. Ein mit 380 Meter Höhe gigantisch wirkender Sandhügel. Bei jedem tritt rutscht der Fuß wieder um zwei Drittel der Tritthöhe zurück. Mit steigender Höhe steigt auch die Temperatur und das Wasser geht zur Neige. Den Kopf gesenkt, immer auf den nächsten Schritt konzentrierend, während der Schweiß in den Sand tropft, kämpfen wir uns den Dünenkamm empor. Auf halber Höhe verabschieden sich Yannick und Cecilia. Nur noch der Kopf treibt den krampfenden Körper von jetzt an die Düne hoch. Bis letztendlich die Spitze erreicht ist und ich ermüdet in den Sand falle. Der Kopf pocht, die Oberschenkel krampfen doch ein Lächeln ziert mein Gesicht. Geschafft!SAM 0856