5. Bericht vom 20.12.2014 – 09.01.2015


Km 12000 – Km 13300 Fahrzeit 196h – 218h


Togo, Benin


Nacht im Busch kurz vor Togo MountainsDer Wind trägt mich auf feinem Asphalt von Ouagadougou nach Süden. Nach 4 Stunden knickt meine Route nach Osten über eine Piste durch den Kabore Tambi National Park ab. Kurz vor der togolesischen Grenze fahre ich in der Dämmerung, ein paar Trails folgend, in die Savanne, um das Zelt zu errichten. Der Grenzübergang am nächsten Morgen DschungelfahrtGute Routenempfehlungaläuft auf burkinischer Seite schnell und unkompliziert. Für Togo kann man fast dasselbe behaupten, mit der Ausnahme, dass ich den Zollbeamten erklären muss wie man das Carnet des Passage korrekt ausfüllt, weil ich darin mittlerweile viel Übung habe. Sie nehmen die Hinweise gerne an und Singletrial Singletrail durch Dschungelwollen die zusätzliche Zeit auch nicht bezahlt haben. Der  Norden Togos wird größtenteils auf der asphaltierten Hauptstraße durchquert. Um Abends der Hitze der gras -und buschbewachsenen Ebene zu entkommen, mache ich in den ersten Erhebungen  nahe Bafilo halt, um die Nacht im Grünen zu verbringen. Entspannt kann ich mir die Waldbrände am gegenüberliegenden Berghang anschauen. Ein beängstigendes Schauspiel. Von hier aus geht es nach Südwesten. Auf Empfehlung von Guillaume, dem Tourguide und Chef des Pavillion Verte in Ougadougou, folge ich von nun an kleineren Pisten, Pfaden Gute Routenempfehlung Singletrial vom Feinstenund Pfädchen. Die Togo Mountains erheben sich vor meinem Grobstoller und die Vorfreude auf das Kommende steigt. Die Route schlängelt sich erst als Piste, nach einiger Zeit als Pfad in Reifenbreite die grünen Hänge hinauf. Bergan, bergab werden die Steigungs- und Gefällepassagen steiler und die Bäche tiefer. Nach einiger Zeit verlieren sich die letzten Motorradspuren im Dreck. Die Blicke der zumeist Wasser- oder Bananenstauden tragenden Frauen am Wegesrand kommen mir immer ungläubiger, wenn auch nicht minder freundlich vor. Der Schlaf in dieser entlegenen Wildnis ist ob der ermüdenden Fahrt, trotz der vielen Tierlaute, tief und entspannend. Mit frischer Energie, von der aufgehenden Sonne geweckt, verläuft der heutige Tag wie der Gestrige. Die lokale Bevölkerung hilft mir wo sie kann. Mit Nahrung, einem aufschlussreichen Schwätzchen und natürlich vielen Wegbeschreibungen. Eine detaillierte Karte von diesen Gebieten zu bekommen ist fast unmöglich. So merke ich mir die größeren Orte und frage mich durch. Einziges Problem ist meistens, das hier niemand eine negative Antwort auf meine Fragen geben möchte. So wird auch in eine Richtung gedeutet, wenn man sich sprachlich nicht verständigen kann oder mein Gegenüber den Weg nicht kennt.

Das Befahren von eigentlich zu schmalen Pfaden und gelegentlich zu tiefen Flüssen bleibt da nicht aus. Ich halte an dem steil abfallenden Ufer des vier Motorradlängen messenden  Gewässers  an, um mir zu Fuß ein Bild der Lage zu machen, als einige Jugendliche die gegenüberliegende Böschung herabklettern. Den großen Schüsseln nach zu urteilen holen sie Wasser für ihre Familien und waschen sich und die Kleidung bei dieser Gelegenheit. Nach kurzem Gespräch mit dem ältesten Jungen in sehr gutem Englisch wird mir versichert, es sei kein Problem den Fluss mit dem Bike zu durchqueren. Sie helfen mir. Die Koffer werden abmontiert und das Aggregat angeschmissen. Zu meiner Verwunderung schaffen wir es die Böschung hinab in das hüfthohe Wasser, ohne das sich ein Überschlag andeutet. In dem steinigen und sandigen Flussbett wird der Blick aufs gegenüberliegende Ufer gerichtet und in der Hoffnung kein Wasser anzusaugen, das Gas aufgerissen.  In Hochstimmung das Schlimmste geschafft zu haben, wird der Schwung genutzt um die verwurzelte und feuchte Böschung der anderen Seite zu erklimmen. Ich blicke in die lachenden Gesichter der Helfer, als ich absteige. Noch nie habe jemand diese Stelle mit dem Motorrad durchquert. Auf meine Frage, warum man mir vorher erzählt habe es sei kein Problem den Fluss zu durchfahren, bekomme ich erklärt, dass ich ja nicht gesagt habe, dass ich den Fluss an dieser Stelle durchqueren möchte.entlegene Gegend Hilfe wenn man sie braucht Ich könnte die nächsten Tage durch den Dschungel bummeln, wäre350kmDschungel 24.12. 1600 Chez Alize in Lome da nicht der erneute Bruch der Kofferträger (siehe Wartung)). Ich bin gezwungen den schnellsten Weg zu finden um wieder Asphalt unter die Räder zu bekommen bevor der Koffer endgültig abreißt. Ein Spanngurt hält vorerst alles zusammen.  Auf der komfortablen Alternative Richtung Lome erreiche ich am Heiligabend die Hauptstadt Togos. Bei Chez Alice, ein Tipp von Gerd aus Bamako, treffe ich selbigen und wir feiern gemeinsam Weihnachten. Es erwartet mich ein Grillfest mit afrikanischer Live-Musik und Tänzern. Fast ein wenig zu viel Klischee. Die folgenden Tage gehen fließend ineinander über. Ich lerne Fofou und einige andere von Alice`s Zöglingen kennen und ziehe mit ihnen gemeinsam um die Häuser.Mark. Chez Alice bietet eine gemuetliche Athmosphaere Alice, die aus der Schweiz stammende Chefin des gleichnamigen Hotels, hat über Jahre einheimische Kinder bei sich aufgenommen und ihnen eine Unterkunft gegeben. Auch Schulbildung und regelmäßige Arbeit hat sie ihnen ermöglicht. Bis heute sind sie ihr treu und helfen in dem Hotel, wenn sie gebraucht werden. Nichts Besseres zu tun, während von Deutschland ein Paket mit Medikamenten unterwegs ist, kann ich mich voll in die Gepflogenheiten hier integrieren. Die Straßenküche hier ist vorzüglich. Man sucht sich sein Essen an einem der vielen GrillFruchtsalat gibt es fast jeden Tag. Gesund und lecker mit den frischen Fruechten vom Markt und Frittierstände zusammen und setzt sich in eine naheliegende Bar um das Essen mit einem Bier, oder in meinem Fall Wasser, zu genießen. Kurz vor Silvester bekommen wir Zuwachs in unserer Gruppe. Ein australischer Entwicklungshelfer, Mark, checkt im Hotel ein. Er ist studierter Marketingspezialist und hilft einer NGO beim Etablieren neuer Hilfsprojekte. Normalerweise in Ghana stationiert, hat er über Silvester 2 Wochen Urlaub und zieht mit den Öffentlichen durch Togo und Benin. Wir führen tagelang philosophische Gespräche über Gott und die Welt. Silvester tanzen wir gemeinsam

Mit Mark und Gerd am Golden Beach in Lome  

Die Straende Lomes sind anlaesslich der Neujahrsfeiern den ganzen Tag voll mit tanzendentrinkenden feiernden Menschen und spielenden KindernMit Xavier wird was Deftiges Zubereitet GulaschAnton ist gluecklich da sein Bike wieder laeuftmit Gerd durch die Nacht im lokalen Club. Auch die nächsten 4 Tage wird das neue Jahr hier in Togo noch mit Musik, Tanz und flüssigen Drogen begrüßt. Ob am Strand oder in der Kirche, ob im Club oder im Hotel, überall ist was los. Zwischendurch verdiene ich mir Xavier und der Weihnachtslebkuchenetwas Taschengeld mit dem Reparieren einer alten Suzuki eines österreichischen Gasts, Anton, hier bei Alice. Das Geld geht dann gleich wieder für ein paar Streicheleinheiten mit dem Schweißgerät und ein paar neue Griffe für die XT drauf. Gute Arbeit hat hier Didier, Mechaniker bei KTM Togo in Lome, geleistet. Nachdem mich Mark Richtung Ghana verlassen hat, kommt aus eben dieser Richtung Xavier aus Amerika um sein Moskitonetz im Garten des Hotels aufzuhängen. Er ist von Schottland bis Togo gelaufen! „Less is More“ ist auch sein Motto und so ist er lediglich mit einem Reisesack, ähnlich einem deutschen Kartoffelsack, unterwegs. Gefüllt mit seinen sieben Sachen  und einer Garnitur Kleidung. Wir teilen uns die nächsten Tage das Hotelzimmer, um Kosten zu sparen und sind Tag und Nacht mit dem Bike in der Stadt und der Umgebung unterwegs, um unsere Visa zu beantragen und die Bars unsicher zu machen.  Das Gabun, Kongo und DR Kongo Visum bekomme Ich in Lome problemlos.  Ich werde unruhig, als die Medikamente kurz vor Ablauf meines Nigeria Visums eintreffen. Die offiziellen Zollgebühren für die teuren Medikamente kann ich in einer zähen Verhandlung mit dem Douane Officer auf nur 30% des offiziellen Preises, unter Ziehung aller Register, herunterhandeln: Kein Geld, Motorrad Schrott, Student, muss im Dschungel schlafen…. Mit einem Grinsen und Handschlag werde ich verabschiedet. Die Diskussion scheint dem Beamten gefallen zu haben. Nun, nach 2 Wochen ohne nennenswerte Distanzen, kribbelt es wieder in den Fingern, oder fehlt den Fingern das Kribbeln des Eintopfes? Ich muss weiter!

Es geht wieder auf Tour ab jetzt mit SatteltaschenXavier und die XT kurz vorm AbschiedDie XT wird nochmal gewaschen und optisch überprüft, bevor es erstmal weiter Richtung Osten geht. Von Lome folge ich der Küstenstraße und überquere nach kurzer Zeit ereignislos die Grenze zu Benin. Die Nacht wird endlich mal wieder alleine unter Palmen verbracht. Von Cotonou über Porto Novo nähere ich mich der nigerianischen Grenze. Das Bevölkerungsreichste und vielleicht eines der gefährlichsten Länder Afrikas liegt vor mir. Auf dem Sprung zum Schwellenland ist Nigeria noch mit den alten Problemen der Korruption und Willkür behaftet. Gespannt bin ich, was mich dort wirklich, entgegen der Warnungen des auswärtigen Amtes, erwartet ...