Wetzlos - Kapstadt von Joshua Steinberg

Mali + Burkina Faso

4. Bericht vom 09.12.2014 - 06.01.2015
Km 10100 - Km 12000 Fahrzeit 167h - 196h
Mali, Burkina Faso

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Nach den Zurückliegenden ereignisreichen Tagen gönne ich mir erst mal eine Pause im Sleeping Camel Hotel/Campingplatz in Bamako. Die Visa für Burkina Faso und Nigeria beantrage ich hier in Bamako. Nach 6 Stunden kann ich mein Burkina Visum abholen. Nigeria dauert 2 Tage und erfordert etwas Überzeugungsarbeit. Leider muss ich dem zuständigen Beamten auch erklären, dass er von seinem Gehalt und nicht von Bestechungsgeldern leben sollte. In Bamako wird das Warten jedoch nicht langweilig. Der "Grand Marché" macht seinem Namen alle Ehre. Im Gewirr der Gassen und Menschen kann man sich stundenlang treiben lassen. Bei der Auswahl, den Gerüchen und dem Lärm ist es jedoch nicht leicht sich zurecht zu finden. Was immer man sich vorstellt, hier kann man es mit Sicherheit kaufen. Bei der großen Nachfrage und dem damit verbundenem Gedränge kommt es jedoch schnell mal vor, dass man in den Massen der Menschen festhängt. Nach einigen Minuten löst sich der Pulk meist wieder auf. Wenn ich nicht gerade die Stadt erkunde lehne ich mich in der Hotellounge zurück. Im Sleeping Camel trifft man auf viele interessante Leute. Es wird sich auf Französisch, Englisch, Deutsch und gebrochenem Spanisch unterhalten. Hier findet sich ein bunter Mix aus Weltreisenden, Geschäftsreisenden, Gestrandeten und Einheimischen. Ich lerne einen Mitarbeiter des Malischen Roten Kreuzes kennen, der mir allerhand über die örtlichen Projekte erzählen kann. Mit einem Backpacker Ehepaar, Cam aus Kanada und Bibi aus Kolumbien, erkunde ich die örtlichen Straßenküchen und die Sehenswürdigkeiten Bamakos. Oumou Kaba, eine Angestellte des Hotels aus Nordmali, fängt mich mit ihrem umwerfenden Lächeln und wir erkunden gemeinsam das Nachtleben der Ostafrikanischen Metropole. Wieder einmal lerne ich in einem dieser angeblich gefährlichen, verschlossenen und überwiegend muslimischen Ländern Afrikas nur nette Menschen kennen. Nach einer Woche entspannen packt mich das Fernweh wieder. Am letzten Tag in Bamako lasse ich mir eine Tasche für meine Zeltstangen nähen, wobei ich den jungen Schneider und Jacob kennen lerne. Nach einem kurzen Gespräch ist Jakob nicht von der Idee abzubringen eine Runde mit mir durch die Stadt zu fahren. Seine Augen leuchten vor Begeisterung während er meiner Geschichte lauscht. Kurzerhand biete ich ihm an mich ein Stück des Weges zu begleiten und seine Mutter in Lomé zu Weihnachten zu besuchen. Am nächsten Morgen steht Jacob wie vereinbart mit seinem kleinen Rucksack vorm Sleeping Camel. Die erste gemeinsame Etappe führt uns 650Km über schlechten Asphalt Richtung Dogon, in den Nordosten Malis. Jacob gefällt die Freiheit zu fahren und zu schlafen wo man möchte. Drei Nächte brauchen wir bis zur letzten größeren Stadt vor der Grenze, Bandiagara. Nach ausführlicher Kocheinlage sitzen wir am Feuer und diskutieren über den weiteren Reiseverlauf als Jacob mir eröffnet, er führe keinerlei Ausweisdokumente mit sich. Das macht den Grenzübertritt für ihn unmöglich. Wir müssen uns trauriger weise eingestehen, dass die Freiheit die ich genießen darf für ihn an seiner Landesgrenze endet. Am nächsten Morgen spendiere ich ihm ein Busticket zurück nach Bamako. In Gedanken an Jakob breche ich wieder alleine auf. Ich entscheide mich für die schwierige Route durch die Dogon Wüste. Die Piste führt mich von Badiagara in die Nordöstlich gelegene Hochebene von Dogon. Die Landschaft hier ist felsig und ursprünglich. Die Einsamkeit wird gelegentlich von den kleinen Felsendörfern, bestehend zumeist aus einem Dutzend Häusern, einem kleinen Brunnen und weitgehend autark versorgt durch die umliegenden Felder. Falls Güter von Außerhalb benötigt werden, so werden diese auf kleinen Motorrädern herangeschafft. Vor den Fahrkünsten der Einheimischen auf dem felsigen oder sandigen Terrain kann man nur Respekt haben. Sie meistern diese Strecken auf sehr Preiswerten, kleinen China Mopeds mit schlechten Straßenreifen, meist zu zweit oder dritt auf einer Maschine. An den "Fallaise" fällt die Hochebene Senkrecht in die Weiten der Wüste ab. Auf einer der Klippen finde ich einen Weg bis an die Abbruchkante. Das Zelt wird rasch aufgebaut um das Versinken der Sonne im heißen Wüstensand nicht zu verpassen. Mit dem Blick auf den glasklaren Sternenhimmel und den Gedanken bei der morgigen Sandfahrt neigt sich der Abend dem Ende zu.
Wie man Tief Sand fährt ist in den drei Wochen seit Mauretanien fast in Vergessenheit geraten. Nachdem sich der Pfad die Klippen runterschlängelt eröffnet sich vor mir die Weite der sandigen Steppe. Nach den ersten Zehn Kilometern kommt das Gefühl wieder zurück. AC/DC in den Ohren, den Blick in die Ferne, den Gasgriff am Anschlag wird eine Staubfahne durch die Dogon Ebene gezogen. Am frühen Nachmittag überquere ich nach knappen 200Km Staub und Dreck die kleine, unkomplizierte Grenze zu Burkina. Der Weg führt ab jetzt stetig gen Osten um dann in Höhe der Hauptstadt Burkinas nach Süden abzuknicken. Weitere 3 Stunden im Sattel und es beginnt zu dämmern. Eigentlich bei der breiten Piste kein Problem, Es sei denn es kommt mal wieder einer der Großen Reisebusse mit überhöhter Geschwindigkeit entgegen und hüllt die Piste für Minuten in dichtem Staub ein. Bevor es endgültig dunkel wird finde ich eine Unterkunft in einem Feriendomizil eines reichen Franzosen am Lac de Bam. Der nette Wachmann lässt mich auf das momentan leerstehende Feriengelände. Mein Zelt wird auf der schönsten Terrasse mit Seeblick aufgebaut. Auch die Dusche steht mir zur Verfügung, was nach 4 Tagen ohne fließend Wasser auch bitter nötig ist. Einzige Bezahlung ist am nächsten Morgen das gemeinsame Frühstück und ein nettes Gespräch über meine weitere Route. Ich nehme noch das kleine Gebirge bei Kaya mit und fahre dann wieder auf Asphalt die letzten 100Km bis Ouagadougou. Auf Empfehlung von Cam und Bibi quartiere ich mich im Pavillion Vert ein. Der Chef des Hotels, Guillaume, ist professioneller Motocrosser und hat sich hier ein Leben mit einem Reiseunternehmen für Endurotouren durch die umliegenden Länder aufgebaut. Das Hotel sei für ihn nur Nebensache. Für junge Endouristen kann ich hier, was den Zimmerpreis angeht, einen Sondertarif aushandeln der alle Campingplätze weit unterbietet. Zuversichtlich versuche ich den Rest des Nachmittags sinnvoll zu verbringen und das "Visum Entente" für Togo und Benin zu bekommen. Im Empfang des "Service du Passport" wird mir gleich erklärt, dass mein Anliegen nur am Vormittag bearbeitet wird und ich drei Tage Wartezeit einkalkulieren sollte. Etwas geladen gehe ich, den Dreck der letzten 300Km im Gesicht und den Klamotten, direkt zum Chef der Behörde. Ich werde natürlich gleich von den beiden sympathischen Sekretärinnen über meine Reise ausgefragt. Nach kurzer Zeit liegt mein Reisepass beim Chef auf dem Tisch. Die folgenden 15 Minuten Bearbeitungszeit verfliegen im Gespräch mit den netten Damen. Im Hotel erfahre ich, dass die meisten anderen Gäste tatsächlich 3 Tage auf ihr Visum warteten. Im Pavillion Vert verbringe ich dennoch ein paar Tage, da mir die Menschen hier in Burkina unglaublich freundlich und offen gegenübertreten. Außerdem wird hier mehr, oder anders gefeiert. Ob es daran liegt im ersten mehrheitlich christlichen Land auf dem afrikanischen Kontinent seit Beginn meiner Tour zu sein, oder die Mentalität der burkinischen Bevölkerung dafür verantwortlich ist, kann ich in den wenigen Tagen nicht herausfinden. Am Tag meiner geplanten Abreise treffen Cam und Bibi ein. Da es mit den beiden nie langweilig wird bleibe ich noch 3 Tage länger. Gelegenheit den Ölwechsel und die Luftfilterreinigung der XT vorzuziehen, ein paar der zahllosen Konzerte des Wochenendes erleben, viel zu Tanzen und nicht zuletzt noch ein wenig die günstige und schmackhafte Straßenküche Ouagadougous zu genießen. Am letzten Tag setze ich mich noch mit Guillaume an meine Karten und lasse mir vom Insider die besten und entlegensten Trials Richtung Lomé, Hauptstadt von Togo, zeigen...

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